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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 90)
Language
German
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IRI
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18 Der sittliche Mensch, der fromme Mensch nimmt von seinen Gütern in die Ewigkeit mit, nämlich die durch sie gewonnenen Tugenden, die durch sie geübten frommen Werke und sie sind das Lösegeld seiner Seele. Während der erste Teil des Psalms mit dem Satze scbliesst ״Der Staubgeborene trotz seines Glanzes hat er keine Dauer, wenn er dem zur Vernichtung bestimmten Tiere gleicht,“ schliesst der zweite Teil mit dem nur um einen Buchstaben geänderten Satz: ״Der Mensch trotz seiner Würde, wenn er keine Einsicht hat, gleicht er dem zur Vernichtung bestimmten Tiere.“ Das Wortspiel zwischen לא ילין und לא יבין gibt die Lösung. Die Einsicht, die sittliche Einsicht, die sittlich strebende Vernunft beschränkt und überwindet die Macht des Todes. Der Materialist ist dem Tiere gleich, ganz besonders im Tode; der sittlich strebende Idealist stirbt nicht. Unsere Ausführungen können nichts anderes sein, als anschauliche Proben, aus dem grossen, fast unerschöpflichen Ganzen herausgegriffen. Fast jeder Psalm ist wert, besonders besprochen und erläutert zu werden. Der Reiz und der Wert der Psalmen liegt oft in der Erkenntnis, in dem Gefühl einer in der Tat unbeabsichtigten Wirkung. Ein einziges Beispiel hiefür. Würde der Psalmi&t sich die Aufgabe gestellt haben, uns die besondere Kraft des Gebetes zu lehren, es könnte nicht besser geschehen als durch den 6. Psalm, ein bekanntes, weil täglich gesprochenes Klagelied, das in den düstersten Farben das niederdrückende Bewusstsein der Schuld malt, sich in den Akkorden düsterster Klage und brennendsten Schmerzes um Verzeihung an Gott wendet und dann plötzlich unvermittelt ein siegesgewisses Triumphgeschrei gegen die Feinde erhebt, das der Ausfluss siegesgewissen Vertrauens ist. Das Gebet hat seine Wirkung getan. Der unvermittelte Übergang von Verzweiflung zum Siegesbewusstsein lehrt uns die Kraft und die Wirkung des Gebetes. Der Psalmist will sein Volk, seine Gemeinde vor jeder Einseitigkeit der Pflichtauffiassung bewahren, weil sie vor Verkennung und Entstellung ihrer religiösen Aufgaben warnen. Wie macht er das? Er lässt im 50. Psalm Gott in das Gericht eintreten und von ihm ein Verdikt aussprechen sowohl über die vermeintlichen Frommen, die in äusseren Werken den Ausdruck der

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