Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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20 ein kleines Bruchstück aus der ausserordentlichen Fülle der Psalmen. Wir haben keinen einzigen geschichtlichen Psalm behandelt, wir haben die wunderbaren patriotischen Lieder und die dem Heiligtum gewidmeten Hymnen zurückgestellt, wir haben abgesehen von einer Besprechung der Stufeniieder, die wir schon einmal zum Gegenstand einer besonderen Behandlung gemacht haben, wir haben die ergreifenden und entzückenden Naturpsalmen nicht in unsere Betrachtung einbezogen und der Märtyrer-Psalmen nicht gedacht. Und noch so viele andere Lieder hätten verdient, wenigstens gestreift zu werden. Der Zeitraum eines Vortrages reicht dazu nicht aus. Aber wir würden uns glücklich fühlen, wenn diese wenigen Proben der Anleitung zur richtigen Erfassung der Psalmen den Erfolg hätten, viele zum sachgemässen Studium der Psalmen hinzuführen, auf dass alle Welt den Wert und das Wesen der Psalmen dahin ermessen würde, wie wir sie schon einmal gewürdigt haben: Die Psalmen sind die schönsten Äusserungen reinsten religiösen Gefühls, die unübertrefflichen Muster religiöser Lyrik, ein unschätzbares Gemeingut der Weltliteratur, die Perle der Gebete der Religionsgemeinschaften aller Welt und aller Zeiten, der adäquateste Ausdruck des idealen Inhalts der jüdischen Religion, ein wirksames Panacee der nach Vereinigung mit dem himmlischen Vater schmachtenden menschlichen Seele, die in ihnen alles für jede Lebenslage Notwendige findet. Lasset uns also die Psalmen lernen, lasset sie uns beten, würdigen und verehren!