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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 89)
Language
German
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IRI
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17 beleuchtet werden. Es wird uns nicht wundem, dass als Mittel hiezu das Bild des gigantischen Meeres, der brausenden Ströme, der sich brechenden Meereswogen gewählt wird. Der Dichter sagt: ״Es erheben die Ströme 0 Gott, es erheben die Ströme ihre Stimme, es erheben die Ströme ihr Branden. Aber mehr als die Stimmen grosser, mächtiger Wasser, mehr als die sich brechenden Meereswogen bist Du erhaben in der Höhe, Ewiger!‘4 Nunmehr aber erfahren wir durch den letzten Satz: ״Deine Zeugnisse sind gar sehr bewährt, Deinem Hause geziemt Heiligkeit, 0 Gott, für die Länge der Tage“, dass nicht Gottes Allmacht im allgemeinen das Lied gilt, sondern seiner fest wie ein Fels im Meere wurzelnden Thora. Die Flüsse und Ströme sind Gedanken- und Zeitströmungen, die Gott von seinem Throne herabzustürzen beabsichtigen, deren Ansturm aber vollständig unwirksam bleibt; denn Gottes Zeugnisse, niedergelegt in der Thora, Gottes Zeugnisse, die Gottes Dasein und Weltregierung der Welt verkünden, stehen fest und unerschütterlich da, werden von dem Toben und Branden der Menschen und der Zeit nicht berührt. Die Allmacht Gottes ist auch das Thema des Psalmen 29. In mächtiger Poesie, in eindrucksvollster Naturschilderung wirken hier Donner und Blitz, Sturm und Erdbeben, Orkane und Wolkenbräche zusammen zur Veranschaulichung von Gottes Allmacht in der Natur. Diesen beredten Zeugnissen von Gottes Allmacht sehliesst sieb noch an ein Beweis aus der Geschichte, die Sintflut, die Gott nicht von seinem Throne zu stürzen vermochte. Es gibt noch mehr Probleme, die des Psalmisten Seele bedrücken, beklemmen, mit denen sie ringt und kämpft. So ist der 49. Psalm das Spiegelbild der seelischen Kämpfe, die bei der Erwägung des Problems erweckt werden: ״warum kennt der Tod keinen Unterschied zwischen Weisen und Toren d. h. zwischen sittlich bewährten Menschen und krassen Materialisten?“ Warum ist er ein alles gleich machender Demokrat, der vor keinem Vorzug Halt macht? Die Seele des Dichters ringt sich aber zu der Gewissheit durch, dass der Mensch des rein materiellen Strebens im Grabe verwest und vermodert, ohne eine Spur von sich zurückzulassen, ohne seine angebeteten Götter und Güter mit ins Grab nehmen zu können. ״Aber Gott erlöst meine Seele aus der Gewalt der Gruft, wenn er mich zu sich nimmt.“ Jahrbuch der J. L. G. XX. 2

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