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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 87

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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IRI
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15 mit nichten neidet; sie findet, dass sieh mit solchem Gluck oft Schmerzen, Seelenqualen, Gewissensbisse verbinden, dass äifsolchen» Gluck auch Blut und Unrecht klebt. Nun will sie keine Gemein- Schaft mit den vorher gefeierten Helden haben. Die Seele erkennt den grossen, gewaltigen Unterschied zwischen äusserem und innerem Glück, das wir nur in Gott finden, den unendlich grossen Vorzug, den dieses ״Sichglücklich fühlen in Gott und durch Gott* vor dem äusseren Erfolg voraus hat. Der Kampf ist zu Gunsten Gottes entschieden. Der Dichter zählt auf, wie glücklich er ist, er hat objektiven Grund, mit seinem Lose zufrieden zu sein und er ist auch subjektiv durchaus befriedigt. Wenn wir Gott vor Augen haben, sind wir geborgen; Seele, Herz und Körper haben Grund zum Jubel. Alles Übrige besiegen wir durch Gott; auch der Tod und die Gruft erschreckt uns keineswegs mehr; denn Gott überlässt seine Frommen nicht der Gruft. Mit einem tiefen Blick haben die Weisen Israels gerade diesen Psalm als einen Balsam, als einen Trost für den Trauernden erkannt und für das Trauerhaus bestimmt. Der Psalm 28 atmet in seiner ganzen Anlage und Ausführung gleichfalls die tiefe Beseliguog und glückliche Befriedigung mit dem von Gott gewährten Los. Die Wirkung des 16. Psalms ist aber entschieden viel tiefer und gewaltiger, weil hier eine vorher gerade entgegengesetzte Stimmung und Anschauung erst überwunden wird, um dann in die ruhigen Wasser einer derartig beseligenden Stimmung einzumünden, wie sie im 23. Psalm von vornherein ge• geben ist. Im übrigen möchten wir gerade bei diesem 23. Psalm noch auf eine besonders zu beachtende Eigentümlichkeit bei der Psalmenerklärung hinweisen. Die Psalmen drücken sehr häufig das, was sie sagen wollen, in Bildern aus, die oft den ganzen Inhalt eines Psalms erschöpfen. Psalm 23 beginnt mit den Worten: »Der Ewige ist mein Hirte; darum habe ich keinen Mangel.a Vom Hirten wird erwartet, dass er seine Schafe ernährt und schützt. Damit ist ohne weiteres die Disposition gegeben. Der Dichter führt ״ aus: ״Auf grasreichen Auen lässt er mich lagern, zu den Wassern der Suhe führt er mich hin.“ Gott sorgt also für Speise und Trank. Speise und Trank kann aber zweifach sein. Zuerst körperlicher Art, dann aber auch seelischer Art. Darum, fährt der Dichtfer fort! ״Auch

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