Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
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- IRI
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Gott. 01e Sünde macht der Leidenschaft diesen Gedanken plausibel. Und nun fängt der Mensch an, seine Gottesfurcht aufzugeben. Zuerst sind es sündhafte Worte, die er spricht. Dann hört er auf, verständig zu erwägen und Gutes zu tun. Auf seinem Lager denkt er über die Sünde nach, die ihn vollständig gefangen hält. Schon stellt er sich auf einen Weg, den man nicht mehr gut nennen kann. Schliesslich verachtet er auch das positiv Böse nicht mehr. Der fromme Dichter ist erschüttert und empört zugleich. Wie kann man Gott leugnen, wenn man den Himmel betrachtet und die Regelmässigkeit des Weltenverlaufs erwägt, wenn man Gottes Treue wahrnimmt? Wenn man von der Tiefe der göttlichen Gedanken ergriffen wird und an seine Liebe denkt, die Menschen und Tieren gilt und von der die Menschen gedankenlos Gebrauch machen? Wahrlich, der Verständige erkennt, dass wir in Gott die Quelle des Lebens besitzen und nur durch sein Licht das Licht zu schauen vermögen. Drei Bitten sind es, die der Psalmist an Gott richtet. Gott möge seine Liebe nur seinen Verehrern zuwenden, dann werden die Gottesleugner von selbst kommen und sich wieder Gott anschliessen. Ihn selber möge Gott vor Hochmut bewahren; denn Hödimut ist die Giftflut, ist der Schlamm und Sumpf, aus der die Göttesleugnung entspringt. Ganz besonders möge Gott ihn vor Zweifeln bewahren, die aus der Beobachtung des Glückes der frevler entspringen; denn dadurch sind ja schon gar viele zu Fall gekommen. Mit dem letzten Gedanken, mit dem der Dichter des 36. Psalms scliliesst, setzt der 16. Psalm ein. Er bedeutet gleichfalls ein Ringen mit dem schweren Problem der Theodicee und beginnt mit einer bedauerlichen Absage an Gott. Er stellt ein Seelendrama dar. Die Seele wird angesprochen und von ihr behauptet, dass sie allerdings in Gott ihren Herrn und Gebieter zu sehen gezwungen sei, dass sie aber bei Gott ihr Glück nicht finde. Das ersehnte י und erstrebte Glück ist vielmehr bei den Rittern des Erfolges zu : finden, die auf Erden angestaunt und fast wie Heilige verehrt werden,, bei den Besitzern von Reichtum, Macht und Ehre. Die Seele aber besinnt sich, sie beschaut sich einmal das geneidete Glück und die bewunderten Helden des Erfolges und sie findet : <wsnig Wohlgefallen an ihnen. Sie erklärt, dass sie solches Glück