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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 82)
Language
German
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IRI
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1Ö Das rasche Aufblühen der Frevler, wie das Kraut, mäcbt sie sicher und führt dann erst recht in das endgültige Verderben hinein. Vor allem aber geht dem Frevler ein grosses Glück ab, vielleicht das grösste Glück. Die Bösen linden keine dauernde Freundschaft und Kameradschaft; sie finden darum auch keinen Frieden und keine Harmonie in ihrem Leben. Der Eigennutz der Verbrecher ist ein trennendes und auflösendes Element. Böse können nicht lange im Bunde mit anderen sein. Der Eigennutz und die Selbstsucht treibt sie wieder auseinander, wenn ein gemeinsames, verbrecherisches Ziel einmal erreicht ist. ״Es müssen sich zerstreuen alle Übeltäter.״ Als Gegenstück, das nach Anschauung des Psalmisten volle Beweiskraft besitzt, führt er sein eigenes Leben und Schicksal uns vor Augen- In den markantesten und lautest sprechenden Bildern bekennt er dankend, dass Gott ihm Kraft und Gesundheit, Frische und freudiges Wachstum beschert; Gott hilft ihm gegen seine Feinde, die nicht über ihn triumphieren können, die selber zugeben müssen, dass der Gerechte aufblüht wie eine Ged er und emporwächst wie eine Palme. Das höchste Glück der Frommen 1 istihre Frische noch im hohen Alter und 80 werden in tief einpfundener Gottesfurcht die jugendlichen Greise als die Herolde der nicht zu bezweifelnden göttlichen Gerechtigkeit hingestellt. ״Noch blühen sie im höchsten Alter, sind markvoll und frisch, um zu verküaden, dass gerade ist der Ewige, mein Fels, an dem kein Unrecht ist.“ Viel anschaulicher noch ist das Ringen des frommen Sängers mit diesem Problem im 73. Psalm. Auch die Lösung zeigt hier ein viel tieferes und gründlicheres Eindringen in das Problem. Es wird hier offen ausgesprochen, dass das Problem auf dem Wege der verstandesmassigen Forschung nicht gelöst werden kann. Nur eine Gefühlsgewissheit gibt es und zwar für den, der, auf dem Boden des Heiligtums stehend, sich mit der Frage befasst. Wir werden das noch sehen. Der Psalm erfordert eine etwas längere Behandlung. Der Dichter schickt, um niemanden durch seine Zweifel, die ernst genug sind und ungeschminkt dargestellt werden, zu beirren, das in bangem Ringen und schweren Zweifeln gewonnene Ergebnis * seiner Forschung voraus: ״Wahrlich nur gütig ist Gott für Israel, für die nämlich, die lauteren Herzens sind.“ Diese Erkenntnis aber wurde aus dem Zweifel geboren, der so stark war, dass die Füsse des Sängers beinahe ausgeglitten

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