Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XXi (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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- IRI
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6 Person betrachtet, sondern als eine Sache, wegen deren Gott selber interessiert ist: ״Nicht um unsertwillen, nicht um unsertwillen* sondern im Interesse Deines Namens gib Ehre auf Grund Deiner Gnade und Wahrheit,“ ein Namen, den Du einbüssen würdest, wolltest Du uns nicht helfen. Bei den Göttern der Völker kann ich nicht Hilfe finden, es sind tote Körper, machtlose Wesen. Wer sich auf sie verlässt, wird tot sein und machtlos wie sie selbst. Israel aber kann und soll nur auf Gott vertrauen, der, während er den Himmel für sich zurückbehalten hat, die Erde den Menschen zuteilte, damit sie durch ihr Tun und Treiben zu Gottes Ruhm und Preis beitragen. Wenn wir aber untergehen, so können wir Dich nicht mehr preisen, 0 Gott! Und nun schildert uns der Psalm 116 des Psalmisten furchtbare Lage, aber auch seine wunderbare Rettung, um deren willen er Gott sein Dankopfer darbringen will. Diese Rettung ist so gross und gewaltig, dass er wünscht, die ganze Welt in seine Dankesäusserungen hinein zu ziehen, dass er wünscht, im Beisein seines ganzen Volkes die Gelübde des Dankes zu bezahlen. Daher die Aufforderung an das ganze Volk, an alle Gruppen des Volkes, in den Dank einzustimmen. Das Seelendrama des Psalmisten ist aber noch nicht zu Ende, seine Seelenergüsse sind noch nicht erschöpft. Als folgenden Akt haben wir die Reflexion über seine veränderte Lage anzusehen; der Dichter überdenkt den Gegensatz zwischen der düsteren, angstvollen Vergangenheit uud der sonnigen Gegenwart. Der Gegensatz kommt in dem herrlichen Satz zum Ausdruck: ״Der Stein, den die Bauleute verachtet haben, wurde zum obersten Eckstein.“ Er weiss es jetzt, Gott lässt seine Frommen nicht gerne sterben. ' Auch er wird nicht sterben, sondern leben und darum will er fort und fort Gott preisen und seine Wundertaten erzählen; Und noch einen Akt kennt das gewaltige Seelendrama. Der gerettete Dichter, an dessen Stelle das fromme Volk tritt, das sich den Sang zu eigen macht, fasst auch die Zukunft ins Auge und, durchtränkt von einem unerschütterlichen Vertrauen, das ihn die Betrachtung der Vergangenheit gewinnen liess, bittet und betet er: ״Ach, Ewiger, hilf doch! Ach, Ewiger, lass es doch gelingen!“ Das Drama ist zu Ende, die Gesänge, die das ׳Hingeleiten des Opfertieres zum Altar begleiten, sind verklungen. Die eigentliehe Opferbehandlung beginnt.