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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 76)
Language
German
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IRI
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4 eines Dankopfers. Dass dem so ist, das sehen wir zunächst einmal aus dem Schluss des letzten, des 118. Psalms, in dem mitten in den Ausführungen der fromm gestimmten, in lyrischen Ergüssen sich entladenden Seele zwischenhinein der Ruf erklingt: ״Bindet das Festopfer mit Stricken an die Hörner des Altars!“, worauf alsbald der Gesang verstummt und die eigentliche Opferhandlung beginnt. Doch schon vorher sind genaue Anzeichen für den geschilderten Charakter dieser Psalmen ersichtlich. Der Opfernde klopft an die Türe des Heiligtums mit den Worten: ״Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, ich will einziehen und Gott preisen.“ Von innen wird ihm von einer Abordnung der Priester geöffnet und diese Abojdnung spricht die verbindlichen Worte der Höflichkeit: ״Das ist in der Tat das Tor Gottes, die Gerechten mögen einziehen!“ und, eingetreten, werden die dankerfüllten Frommen mit den Worten begrüsst: ״Gesegnet, wer da kommt im Namen Gottes, wir segnen Euch vom Hause Gottes aus.“ Was nun den Inhalt des Dankliedes selber anlangt, so drückt in Psalm 113 der Opfernde den allgemeinen Gedanken aus, den er durch seine eigene Lebenserfahrung bestätigt gefunden hat, dass Gott, der Lenker des Schicksals, trotz seiner erhabenen Allmacht, trotz des unermesslichen Abstandes von der Menschheit, trotz der Höhe, in der er schwebt, sich liebreich und rettend gerade der Armen und Leidenden annimmt. Es ist derselbe Gedanke, den wir im Psalm 138 antreffen: ״Wahrlich erhaben ist der Ewige, aber auf den Niedrigen blickt er, und mag er noch so hoch thronen, von der Ferne nimmt er sich seiner an.“ Es ist auch wiederum derselbe Gedanke, den uns auch Jesaias in der Haphtoroh des Jomkippur wiedergibt, wo es heisst: ״Wahrlieh, so spricht der Hohe und Erhabene, der da in Ewigkeit thront, dessen Name der Ewige ist: ״Mag ich auch in der Höhe als der Heilige thronen, so bin ich doch mit dem Niedergeschlagenen und dem, der demütigen Sinnes ist, um zu beleben den Sinn der Niedrigen, um zu beleben das Herz der Niedergeschlagenen.“ Diese wunderbare Verbindung seiner Eigenschaften bewährt nun Gott, indem er den Armen vom Staube, aus dem Kothaufen den Dürftigen erhebt, um ihn zu setzen neben die Fürsten, neben

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