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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1929-01-01 · XXi (1929) · page 75

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XXi (1929)
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 75)
Language
German
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IRI
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3 sind, so müssen sie straucheln und fallen. Wenn sich gegen mich ein Feindeslager zusaramensebart, so furchtet sich mein Herz nicht, wenn sich gegen mich ein Krieg erhebt, so vertraue ich darauf: ״Eines habe ich mir schon immer von Gott erbeten, das strebe ich immerfort an: zu sitzen im Hause Gottes alle Tage meines Lebens, zu schauen die Lieblichkeit Gottes und Untersuchungen anzustellen in seinem Heiligtum.“ Aber erst nach Ablauf dieser ersten grösseren Hälfte erfahren wir den wahren Charakter des Psalms. Fährt er doch fort: ״Und auch jetzt darf sieb mein Haupt erheben über meine Feinde ringsum und ich darf opfern in seinem Zelte die Opfer des Triumphes, ja ich darf spielen und singen dem Ewigen.44 Der Psalmist befindet sich also in einer Notlage, in einer kritischen Situation. Mit den Ausführungen des ersten Teils spricht er sich Mut ein und setzt sich in den Besitz der Mittel, der geistigen Voraussetzungen, um den neuen Kampf siegreich zu bestehen.' Nicht wesentlich anders ist es mit dem 144 Psalm, den wir am Ausgang des Sabbats beten und singen. Nach einem allgemeinen Preis Gottes, der als Danksagung gewertet werden kann, vernehmen wir den Angstschrei des frommen Sängers, der in einer furchtbaren Notlage sich befindet, so dass er sich an Gott wendet mit der Bitte um eine Theophanie. Gott möge erscheinen, den Himmel zur Erde herunterbiegen, um einzutreten für den Sänger. Und zwar aus zwei Gründen: Einmal betont der Psalmist: die Feinde sind schlecht, sie haben keine moralische Lebensauffassung und zweitens, wir selber haben in äusserer Beziehung und in geistigem Betracht ein blühendes, glänzendes Staatswesen. Wir sind besorgt um eine gute Jugenderziehung, wir haben eine mustergültige Regierung. Unsere Fürsten sind pfiichtbeladen, da gibt es keine Zuchtlosigkeit, kein Hinausströmen, kein Geschrei auf unseren Strassen, keine Revolution und selbstsüchtige Erhebung, da die Fürsten selber das beste Beispiel der Pflicbtauffassung geben. Wenden wir uns nun einem ganzen Psalmenkomplex zn, dem Halleigebet, das die Psalmen 113—118 umscbliesst. Es handelt sich ia der Tat hier nicht um einzelne Psalmen, sondern um einen einzigen geschlossenen Zusammenhang, dessen innerer Charakter nicht ohne weiteres zu finden ist. Um es nur gleich zu sagen, dieser Psalmenkomplex ist das Begleitlied bei der Darbringung 1*

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