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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 368

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 368)
Language
German
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IRI
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sich die jüdische Gemeinde auf allen Gebieten entwickeln. Es erfolgte eine Zuwanderung aus der näheren Umgebung. Wir finden, dass heute in Ortschaften wie Derenburg, Groningen, Sandersleben, Harzgerode, Gernrode u. a. m. kaum noch Juden ansässig sind, Gemeinden überhaupt nicht mehr existieren. Aus der gehobenen politischen Stellung der Juden entwickelte sich die günstige wirtsehaftliche Lage. Daraus erklärt sich der Zuzug zu grösseren Handelsstädten. Durch die freie Auswahl in Berufen konnte sich eine so grosse Gemeinde wie Halberstadt gut ernähren. — Überblickt man kurz die politische Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Halberstadt, so gewinnt man den Eindruck, dass die Entwicklung zu der Höhe, auf der sie sich zur Zeit der Emanzipation befand, nicht so glatt vor sich gegangen ist. Zwar ist die Halberstädter Judenschaft von Verfolgungen grösseren Ausmasses verschont geblieben; denn sie hat es stets verstanden, durch eine geschickte Politik, die sich immer der Zeit anzupassen wusste, sich ihre Rechte zu erhalten. Es ist dies kein Zeichen von Charakterlosigkeit. In ihrer Rechtlosigkeit konnten die Juden nicht anders handeln. Die Geschichte beweist uns die Notwendigkeit eines geschickten, diplomatischen Vorgehens. Nur dadurch gelangte der Grosse Kurfürst zu seinem Ziele und legte so den Grundstein zu dem Gesamtbau des deutschen Reiches. — Die Pflichten eines Staatsbürgers hatten die Juden schon immer zu erfüllen gehabt. Der humanere, fortgeschrittene Geist des 19. Jahrhunderts bewirkte, dass man ihnen die vorenthaltenen Rechte zubilligte. Mit der Staatliehen Gleichberechtigung, die König Friedrich Wilhelm III. den Juden Preussens am 11. März 1812 erteilte, brach eine neue Zeit für die Judenheit Deutschlands an.

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