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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 367

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 367)
Language
German
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IRI
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Dieses Emporblühen der Gemeinde ist unzweifelhaft zu einem grossen Teile dem Wirken Behrend Lehmanns zuzusebreiben. Durch den Bau eines Lehrhauses, den er aus eigenen Mitteln bestritt, zog er viele auswärtige Schüler nach Halberstadt. Im Jahre 1702 errichtete er dieses Denkmal seiner Menschen- und Gottesliebe, ein Denkmal, das heute noch unter der Bezeichnung ״Behrend-Lehmann- Stiftung“ den Namen des hochherzigen Erbauers trägt. Auch den Bau der herrlichen Synagoge, die heute noch benutzt wird, hat er veranlasst und ermöglicht, indem er die Bausumme von 6000 Talern vorschoss. — So hatte er erreicht, dass durch die Gewährung vieler Hechte Halberstadt zu jener Zeit sich zur grössten jüdische Gemeinde Preussens entwickeln konnte. Während die Jndenschaft des westliehen Preussens noch sehr unterdrückt wurde, war das Harzgebiet rechtlich bevorzugter. Im Jahre 1740, kurz nach dem Regierungsantritt Friedrichs des Grossen, wurde das Privileg von 1713 erneuert. Die Anzahl der mit Schutzbrief versehenen Juden war auf 186 Familien gestiegen, insgesamt zählte die Gemeinde 207 Familien. Von diesen konnte einmal der vierte Teil keine Steuern bezahlen. Auch Halberstadt — und somit auch die jüdische Einwohnerschaft — wurde von den Ausläufern des Siebenjährigen Krieges betroffen. Der Generallieutenant Graf von Stainville überfiel am 16. Oktober 1760 die Stadt und liess durch seinen Kommandeur Graf von Feronaye dem Rat seine Forderung von 375000 Talern mitteilen. Am nächsten Tage hatte man mit Hilfe der staatlichen Kassen und der Juden die verhältnismässig grosse Summe von 28000 Talern aufgebracht. Darüber erbost drohte der Leiter der Brandschatzung, Generaladjudant von Brunelli mit der Verbrennung der Synagoge. Er liess tatsächlich das Haus des Schutzjuden und Vorstehers Hombnrger in Brand stecken, auf Fürsprache des Halberstädter Regierungs־ Präsidenten Heiligenstedt wurde aber das Feuer wieder gelöscht. Doch nahmen die Franzosen die bedeutendsten Männer der Stadt und der jüdischen Gemeinde als Geiseln mit sich, die erst 1762 wieder zurückkehrten. — Ein Jahr darauf wurde der Friede zu Hubertusburg geschlossen. Von 1763—1806 herrschte Ruhe und Frieden in Halberstadt. Nach und nach wich der politische Druck von den Juden, und so konnte

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