Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 366)
- Language
- German
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^30 erschiessen. Die Wahrheit dieses Vorgangs verbürgen uns die Chroniken. Diese Unerschrockenheit und Geistesgegenwart zeigte er in allen Lagen. Die allgemein günstig zu nennenden politischen Verhältnisse der Halberstädter Juden gehen auf Lehmann zurück. Als Friedrich I. im Jahre 1692 in Halberstadt weilte, fiel ihm das unter baufälligen Holzbuden stehende stattliche Haus Berend Lehmanns auf. Er liess ihn rufen und durch geistesgegenwärtige, schlagfertige Antworten gewann Bärmann Ansehen bei dem Fürsten und stand seit dieser Zeit in Gunst bei ihm. Das Haus wird heute, da es in einem ärmeren Stadtteil steht, von einfachen Leuten bewohnt. — Ungeachtet der Verdienste, die sich Behrend Lehmann um die äussere Stellung der Juden erworben hat, liegen seine Leistungen für die Juden Haiberstadts in der Hauptsache auf religiösem Gebiete. Besonders das Innenleben der Gemeinde begann sich zu entfalten. Man konnte sich den inneren Gemeindeangelegenheiten mehr widmen, da die äussere politische Lage der Juden um diese Zeit wesentlich ruhiger und ungefährlicher geworden war. Der Grosse Kurfürst hatte sein Ziel erreicht, Widerstand und Einfluss der Stäade waren gebrochen. Unter der zielbewussten Leitung Eberhard von Dankeimanns setzte Friedrich 1. die Politik seines Vaters fort. Die Beehte der Juden wurden erweitert. Im Jahre 1691 wurde die Halberstädter Regierung angewiesen, den Juden den Ankauf von Immobilien nicht zu verweigern. — Durch die prunkvolle Aufmachung, die ungeheure Kosten verschlingende Hofhaltung des ersten preussischen Königs, wurde die Judenpolitik von finanziellen Gründen geleitet, im Gegensatz zu der kommerziellen Politik des Grossen Kurfürsten. Das leichtsinnige Regiment des Nachfolgers Dankeimanns, des Oberbämmerers Kolbe, hatte eine gewaltige Erhöhung der Steuern im Gefolge. Daraus erklärt sich, dass die Halberstädter Judenschaft die viel zu hohe Summe von 2500 Talern zu zahlen hatte. Unter dem sparsamen König Friedrich Wilhelm I. änderten sich diese unhaltbaren Verhältnisse. So erreichte auch während seiner Regierungszeit die Zahl der jüdischen Familien Haiberstadts einen Höhepunkt. 155 Familien erhielten in dem Privilegium vom 28. Dezember 1713 Schutzbriefe ausgestellt.