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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 365

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 365)
Language
German
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IRI
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829 So hatte das 17. Jahrhundert trotz Not und Verfolgung einen günstigen Abschluss für die Halberstädter Juden gefunden. Das darauffolgende 18. Jahrhundert brachte ein auffallendes Wachstum und gewaltige Fortschritte für die jüdische Gemeinde zu Halberstadt. — ״History is made by great men“. Auch hier ist es ein grosser Mann, der die Entwicklung der jüdischen Gemeinde zu Halberstadt ermöglichte und bestimmte, Behrend Lehmann. In seiner Eigenschaft als Resident des sächsischen Kurfürsten und späteren polnischen Königs August des Starken ist er der Typ eines damaligen Hofjuden. Die meisten Fürsten zogen reiche, geschäftstüchtige Leute an ihren Hof und benutzten diese als Faktoren, als Unterhändler. Bekannt ist der Münzmeister des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II., der Jude Lippold. Auch der Grosse Kurfürst bediente sich mehrerer jüdischer Hoffaktoren, z. B. des Jost Liebmann, der sogar aus Halberstadt stammen soll. Unter allen diesen Männern ragt der sächsische Resident Behrend Lebmann, auch Isachar Bärmann genannt, hervor. Unbedingte Pflichttreue, strenge Ehrbarkeit sind die Vorzüge seines Charakters. Man warf anderen Hofjuden Unehrlichkeit vor, man beschuldigte sie, dass sie sich bei ihren Handlungen zu oft von Habgier und Gefallsucht leiten Hessen. Behrend Lehmann wagte man nicht so leicht anzugreifen, seine Uneigennützigkeit in allen seinen Aufträgen, die er auszuführen hatte, und seine Unbeirrbarkeit, wenn es galt, die Stellung seiner Glaubensgenossen zu heben und zu stützen, waren bekannt. Natürlich ist diese Persönlichkeit, wie das bei solchen Männern immer zu sein pflegt, von einem etwas sagenhaften Schleier umwoben. Doch auch wenn der Schleier entfernt ist, erscheint. uns ״dieser Mann unstreitig“ als ״der glänzendste Stern in der Geschichte der jüdischen Gemeinde Haiberstadts“. Rabbi Bärmann war immer bereit, für das Wohl seiner Glaubensgenossen einzutreten. Den Namen Bärmann soll er seit einem Vorfall tragen, der sich in Halberstadt zugetragen hat: Der Kommandeur des Halberstädter Regiments liess einen Bären aufsichtslos in der Stadt umherlaufen. Mehrere Ermahnungen seitens der Bürgerschaft fruchteten nichts. Als nun der Bär ein Kind getötet hatte, liess ihn Isachar Bärmann auf eigene Gefahr hin

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