Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 361)
- Language
- German
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325 spricht und sie noch einmal ״zur Anhörung des göttlichen Wortes* anhalten lässt. In beiden Fällen aber scheint dieser Erlass nicht besonders streng beachtet worden zu sein. Die Gemeinde vergrösserte sich, und dem Kurfürsten konnte dies nur recht sein, in Anbetracht dessen, dass das Schutzgeld pro Person jetzt 10 Reichstaler betrug. Ausser dieser jährlichen Abgabe hatte die Halberstädter Judenschaft noch verschiedene Ausnahmesteuern zu zahlen, so z. B. sollten sie im Jahre 1658 einen Beitrag von 2000 Reichstalern zum Bau der Köllner Festungswerke zahlen. Nach mehrmaligen Bittschriften der Halberstädter Regierung und der Judenschaft wurde der Betrag auf 200 Reichstaler ermässigt. Mit der Eintreibung war der Schutzjude Berend Levi beauftragt. Berend Levi stammt zwar nicht aus Halberstadt, hat aber auch in diesem Bezirk für den regelmässigen Eingang der Steuern zu sorgen. Kurz darauf, noch im Jahre 1658, wurde dem Kriegs- und Landkommissar Peine die Inspektion des Judenwesens übertragen. — Das Entgegenkommen, das der Fürst der Halberstädter Judenschuft zeigte, führte jedoch keine wesentliche Verbesserung ihrer politischen Stellung herbei. Wie in allen kurfürstlichen Gebieten waren es auch in Halberstadt Stadtrat, Bürgerschaft und Geistlichkeit, die den Juden mit allen möglichen Schikanen das Leben zu versauern suchten. Besonders bei den Zünften war es der Neid und die Angst vor der Konkurrenz. Der Jude suchte nämlich seine Kunden in ihren Wohnungen auf. Das betrachtete man als Wirtschaftliehe Schädigung der Zunftmitglieder. Um das aber zu verdecken, wandelten sie die wirtschaftlichen Gründe in politische um, indem sie die Religion und die Sitten der Juden beschimpften, ja sie direkt verleumdeten. So trat neben die Sorge um die materielle Existenz auch noch der Kampf um geistige und religiöse Dinge. Die Synagogenfrage wurde den Ständen jetzt ein willkommenes Objekt, um ihr Mütchen an den Juden zu kühlen. Schon 1621 war eine in der Göddenstrasse befindliche Synagoge zerstört worden. Der Schtadlan Rabbi Jeremia hatte kurz darauf eine neue Synagoge errichtet, ohne erst die Erlaubnis der Stände einzuholen. Die Synagoge stand in der Gödden(Juden)־ Strasse Nr. 21. Kurz nach dem Tode des Erbauers aber begannen sich die Stände zu regen und reichten am 11. Februar 1669 eine