Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 360)
- Language
- German
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324 reich vertriebenen Hugenotten in dem kurfürstlichen Staate ihre zweite Heimat. Die Hauptsache war dem Fürsten, dass die Mensehen in seinem Lande durch produktive Arbeit den Wohlstand und somit die Macht förderten.. Dies wird wohl auch der grundlegende Gedanke für seine Judenpolitik gewesen seiu. Spanien war ihm ein Beispiel für eine verfehlte Bevölkerungspolitik. Durch die Vertreibung von nahezu einer Million Juden war das Land derart heruntergekommen, dass es bis heute nicht mehr zu den führenden Mächten Europas gezählt werden kann. Doch auch die Toleranz des Kurfürsten, seine gerechte Auffassung von Duldsamkeit waren es, die ihn zu den für die damalige Zeit weitgehenden Bedingungen für die Juden bestimmte. In seiner Jugend, während seines Aufenthaltes in Holland hat er den Geist religiöser Toleranz kennen und verstehen gelernt. Kirche und Staat waren für ihn zwei getrennte Begriffe. Trotzdem war er ein guter Protestant, ja, er hoffte sogar, durch eine Judenmission die Juden dem protestantischen Glauben zugängig zu machen. So ist es auch zu verstehen, dass er den Halberstädter Juden den Bau einer Synagoge verbietet und in seinem berühmten Homogial-ßezess vom 2. April 1652 darauf bedacht ist, ״wie sie zur Anhörung des seligmachenden göttlichen Wortes und vermittelst desselben zu der Erkenntnis Christi und ihrer Seligkeit durch eine zureichende Ver- Ordnung können gebracht werden.״ Neben allen diesen toleranten und bevölkerungspolitischen Gründen spielte die Geldfrage die Hauptrolle. Seine grosszügige Politik, die Bildung eines Heeres, die Gründung von überseeischen Kolonien, all das war durch Geld bedingt. So musste er darauf bedacht sein, ein Grossteil seines Bedarfs durch Steuern aufzubringen. Trotzdem war diese Finanzpolitik den Juden gegenüber picht streng. In dem Generalgeleit für die Juden von Halberstadt setzt er das Begleitgeld auf 8 Reichstäler fest. Überhaupt war dem Rezess und dem Generalgeleit zufolge die politische Lage der Juden günstig zu nennen. Doch auch in diesem Falle ruhte der Widerstand der Stände nicht. Da sie merkten, dass der Kurfürst den Juden nicht ungnädig gesonnen war, schickten sie nun fortwährend Beschwerden an den Kurfürsten und die Köllner Regierung. Die Folge war, dass der EiüfsJ; sich gegen eine Vermehrung der Halberstädter Juden aus-