Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 359)
- Language
- German
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32S Durch den Frieden von 1648 war Halberstadt ans einem selbständigen Fürstentum ein Glied des brandenbnrgischen Einheitsstaates geworden. Es wurde dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg als Entschädigung für die Abtretung Pommerns an Schweden zugesprochen. Dem Grossen Kurfürsten fiel hier, wie überhaupt in seinem ganzen Lande, eine ungeheuer schwere Aufgäbe zu. Der Brandenburgisch-Preussische Staat war zu jener Zeit ein Konglomerat einzeln verstreuter Gebiete. Im Osten befanden sich Ostpreussen und das Ordensland, in keinerlei Zusammenhang mit den westlichen Gebieten, die sich aus dem Herzogtum Cleve und den Grafschaften Mark und Bavensberg zusammensetzten. Im Norden lag Hinterpommern mit Kammin. Brandenburg, der Kern, bildete zusammen mit den Bistümern Magdeburg, Halberstadt und Minden die Mitte des Staates. Alle diese Gebiete waren durch die Person des Herrschers in ein sehr lockeres Verhältnis gebracht; denn alle betrieben auf Kosten der Staatseinheit ihre Sonderpolitik. Bis jetzt hatte der Landesherr niemals eine eigentliche Macht ausüben können, die lag in den Händen der Städte und der Stände. Das wäre an und für sich noch kein Unglück gewesen, wenn diese Machthaber ihre Rechte wenigstens im Interesse des Staates ausgenutzt hätten. So aber nutzten sie in ihrem eigenen Interesse den Staat aus und förderten die Uneinigkeit der einzelnen Fürstentümer und Städte. Überall, auch in der Handelspolitik, wo er auch den Joden ihren Platz zuweisen wollte, stiess der Fürst auf die partikularistische Gewerbepolitik von Ständen und Städten. Dagegen wendet sich der Kampf des Grossen Kurfürsten; und sein eiserner, unbeugsamer Wille, sein rechtlicher, toleranter Sinn verhalten ihm zum Sieg. Sein Ziel war, aus Brandenburg-Preussen einen das Geschick Europas mitbestimmenden Staat zu machen. Dafür wandte er alle Mittel auf. Durch geschickte Einstellung gegenüber den anderen Staaten Europas gelang es ihm, wichtige Gebiete für den Aufbau seines Landes zu gewinnen. Und so war auch seine Innenpolitik in erster Reihe darauf gerichtet, eine gesunde wirtschaftliche Basis zu schaffen, auf die sich dann die Weltstellung Preussens auf bauen konnte. Zu diesem Zwecke zog er alle Schichten seines Volkes zur Mitarbeit heran. Auch ausländische Helfer waren ihm willkommen. So fanden die aus Frank- 21*