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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 355

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 355)
Language
German
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IRI
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319 slimmen Dinge, dat alle Jodden werden greppen, de me aiflangen künde, unde worden verbrennt.“ Nach einer, nach Auerbach ״wenig verlässlichen Quelle“ erklärt sich das Schweigen über die Halberstädter Judenschaft im Anfang des 14. Jahrhunderts daraus, dass im Jahre 1335 die Grafen von Mansfeld und von Regenstein die Stadt überfielen und plünderten. Dies wiederholte sich im Jahre 1343. Beidemale wurden, ebenso wie viele Christen, die Juden ausgeraubt und verjagt. Da Halberstadt aber eine bedeutende, der Hanse angeschlossene Handelsstadt war, kehrten viele Juden 1358 wieder zurück. Dieselbe Quelle nennt auch im Zusammenhang mit einer Ritualmordgeschichte, die sich im Jahre 1408 in Halberstadt abgespielt haben soll, den Bischof Rudolph. Dieser starb aber schon 1406. Derselbe Bericht gibt ein Erdbeben im Jahre 1408 an. Bei Zschiesche ״Halberstadt sonst und jetzt“ finden wir dieselbe Angabe, während uns Caspar Abel für das Jahr 1410 ״eyn grot Ertbeding“ meldet. Aus all diesem ergibt sich die ünglaubWürdigkeit des genannten Berichtes. — Mit dem 14. Jahrhundert war die Lage der Juden im Fürstentum Halberstadt eine wenig beneidenswerte geworden. Sie galten als ein wichtiges Handelsobjekt, indem man sie, das heisst das Recht, von ihnen Steuern einzuziehen, sich gegenseitig verkaufte. Und so wanderten die Judenrechte vom Bischof zum Stadtrat und vom Stadtrat an den Fürsten. Die Juden wurden als Kammergut betrachtet. Ging es ihnen eine Zeitlang in finanzieller Hinsicht gut, dann wurden sie bald darauf, gleich ״einem Schwamm, den man sich vollsaugen Hess“, wieder ausgepresst. Aber wie waren die Juden zu Geld gekommen? Man wirft ihnen vor, Wucher ge־ trieben zu haben. Es mag dies in manchen Fällen stimmen. Doch wird bei diesem Vorwurf verschwiegen, dass die jüdische Bevölkerung dazu gezwungen war, Geldgeschäfte zu betreiben. Die wirtschaftliche Stellung der Juden in der damaligen Zeit war nach allen Seiten hin eng begrenzt. Das Handwerk und andere bürgerliche Erwerbsquellen waren ihnen versperrt, der Handel eingeschränkt. Die Juden wollten auf den Wucher gern verzichten, wenn man sie zu den Zünften zuliess. Doch diese verwehrten ihnen den Zutritt zu den Gilden, und dadurch waren die Juden von all den Berufen, die in den Zünften vertreten waren, ansge־

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