Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 302)
- Language
- German
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266 Die pädagogischen Ansichten des 1של״ה) berühren sich in vielen Punkten mit denen seines christlichen Zeitgenossen Ratichius, der sich zeitweise auch in Frankfurt auf hielt. Bei beiden hören wir vom ״Fortschreiten vom Einfachen zum Höheren“, beide kämpfen gegen ״mechanisches Auswendiglernen unter Hintansetzung des Verstandes“, Der Blüteperiode in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts folgte eine Zeit des Verfalls im 18. Jahrhundert. Sie ist gekennzeichnet durch das plötzliche Verstummen fast aller Quellen über Cheder, Talmud-Tora-Gabbaim und Jeschiba; im Vergleich mit den häufigen, diese Dinge regelnden Bestimmungen der vorausgehenden Periode ist dieses argumentum ex silentio nicht zu unterschätzen. Aus dieser Periode sind auch einige Biographien erhalten; je mehr wir uns dem 19. Jahrhundert nähern, desto zahlreicher werden sie, doch interessieren uns die älteren mehr, da sie der fraglichen Zeit noch näher stehen. Hier ist besonders Lazarus Bendavid’s (1762— 1832) Autobiographie zu nennen, für die jedoch gilt, was bereits oben erwähnt wurde: Sie ist einseitig, unsachlich, fanatisch gegen das überlieferte, orthodoxe Judentum und daher nur mit Vorsicht zu gebrauchen. Diese Periode des Verfalls ist durch noch eine andere Tatsache bemerkenswert: In ihr beginnt sich — bereits vor Mendelssohns Auftreten — ein gewisses Streben nach allgemeiner Bildung geltend zu machen (vgl. oben). Ob dieser Verfall und das gleichzeitige Aufkommen eines neuen Strebens nach profanen Kenntnissen in ursächlichem Zusammenhang stehen, oder ob sie verschiedenen Ursprungs sind, nur sich später gegenseitig ergänzt haben, ist nach den wenigen vorliegenden Notizen schwer zu entscheiden. Die Frage gehört in ihrer Totalität ins Gebiet der allgemeinen jüdischen Geschichte. Zu S eite 168 Diese offenbare Vernachlässigung der Erziehung der Mädchen im Vergleich zu der hochentwickelten der Knaben darf uns nicht wundern. Für sie war das Toralernen kein talmudisches Gebot, man hielt eine Beschäftigung mit den talmudischen Diskussionen für den mehr gefühlsmässig als streng logisch veranlagten Sinn ף s. k Teil S. 169.