Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 294)
- Language
- German
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258 ״Die ״Ma'assim“ enthalten Nationales und Internationales, Konfessionelles und Interkonfessionelles, Stoffe äusserster Harmlosigkeit — wie etwa Ursprung der Redensart: Wie kam der Kunz hinter das Vieh? — und Geschichten pointiertester Tendenz, moralische Erzählungen und juritische Facetien, Königssagen und Legenden von Propheten und Lehrern; der jüdische Papst Elchanan, der seinem Vater Simon bar Abun beim Schachspiel sich zu erkennen gibt, und die in ihrer ersten Jugend unwissenden, den Gram ihrer Väter bildenden, aber durch die plötzliche Erleuchtung in Wohllerner verwandelten Moses ben Maimon und Juda der Fromme aus Regensburg; all das zieht kaleidoskopartig an des Lesers Sinn vorüber.“1) Hier ist auch die jüdische Bearbeitung des Aesop zu nennen, die Schudt erwähnt.2) 1687 erschienen, fiel auch sie 1711 fast gänzlich dem Brande zum Opfer. Interessant ist für uns die vorgedruckte Approbation des damaligen Frankfurter Rabbiners R. Josef Samuel aus Krakau. Darnach hat man bereits früher ahnliehe Fabelsammlungen erscheinen lassen, ohne sie zu den ספרים חיצונים, den verbotenen profanen Büchern zu zählen, weil man aus ihnen oft Gottesfurcht lernen könne. Aus dem Ton der Approbation ist jedoch zu entnehmen, dass sie trotzdem nur ungern erteilt wurde. Nach Erwähnung der in der Nibelungenstrophe gehaltenen Bearbeitung der Samuels- und Königsbücher sei eine der merkwürdigsten Erscheinungen der jüdisch-deutschen Literatur genannt: die Bearbeitung deutscher und romanischer Sagen.3) Dabei scheint mir bemerkenswert, dass ein grosser Teil dieser Schriften in Offenbach a. Main in den Jahren 1714 bis 1721 erschien, nur wenige in Frankfurt 1696, Amsterdam und Homburg v. d. H. Das alleinig Jüdische in vielen dieser Erzählungen ist Sprache und Schrift, inhaltlich sind sie nur die Bearbeitung der dem deutschen oder נ) Frankl, Über die Erbauungs- und Unterhaltungslektüre unserer Altvorderen, S. 158. MGWJ 1885. 2) Jüdische Merkwürdigkeiten VI. Buch, 16. Kap. § 12. Ein Exemplar dieses seltenen Buches befindet sich in der Hamburger Staatsu. Universitätsbibliothek. Es ist von Moses ben Elieser Wallich verfasst unter dem Titel ״Sefer Meschalim“. *) Dieses Gebiet wurde neuerdings ausführlich bearbeitet, vgl. Schüler, Beitrage zur Kenntnis der alten jüdisch-deutschen Profanliteratur (Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Realschule der Isr. Rel.-Ges. Frankfurt a. M.).