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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 286

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 286)
Language
German
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25Ö Diese Entwickelung zum Besseren ging natürlich nur allmählieh und unter grossen Kämpfen vor sich. 1745 liess ein gewisser Johann Heinrich Schütte einen ״dreyfaeben Beweis, dass die Promotion eines Juden zum Doktorn der Medicinen gegen die Christliehe Religion״ sei, erscheinen, und 1757 erlebte diese Schrift eine Neuauflage durch J. F. Rübel ״Aufrichtig und unpartheyisch Prüfung des dreyfachen Beweises: 1) dass die Promotion eines Juden zu Dr. med. gegen die Christ- Religion, geist- und weltliche Rechte, Bürgerliche Ehrbarkeit streite, mithin null und nichtig, ja eine Schande der Arzneikünde sey. 2) Dass die Jüdische Medici sehr schädlich und unter Christen nicht zu dulden seyen. 3) Dass ein Christen-Patient, ohne Verletzung seines Gewissens und Begehen schwehrer Sünden in eines Jüdischen Medici Cur, sich nicht begeben könne.“ In den Ärzten haben wir wohl die Hauptyertreter der profanen Bildung in der Judengasse zu sehen. Sie gehörten zu den wenigen, die einen einigermassen systematischen Unterricht genossen hatten. Während ihres Studiums beschäftigten sie sich häufig auch mit über den Rahmen der Medizin hinausgehenden Wissensgebieten, besonders mit Philosophie und Mathematik. Da ein Jude nur als Mediziner zur Universität zugelassen wurde, so war das Ärzte- Studium oft nur Mittel zum Zweck, um in die Halle der Wissenschäften eindringen zu können. Im Ghetto bildeten die Ärzte daher oft den Mittelpunkt von Zirkeln junger Leute, die sich literarischen Studien widmeten * *, es sei hier nur Dr. Josef Delmedigo genannt.1) Es ist kein Zufall, dass unter den ersten jüdischen Reformern viele Ärzte waren; der neue Geist war von den Lehrsälen der Universität eingedrungen. Das ״Brunnen-Collegium״ und die anderen Lesezirkel, die sich um 1800 in der Frankfurter Judengasse bildeten, waren von Akademikern geleitet. Eine bedeutende Universität Frankfurt a. d. 0., Jahrbuch der J. L. G. XIY, XV u. XVI, diese sind durch die hier gemachten Angaben zu ergänzen. In Mainz fand die erste Promotion 1787 statt (Salfeld, Bilder aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz, S. 70, vgl. auch Meassef, 1784, S. 111). *) Über diesen auf allen Wissensgebieten kundigen Arzt sowie über seinen Einfluss auf seine Zeitgenossen vergl, Horovitz, Jüdische Aerzte S. 13.

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