Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 280)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486303--7519-3493896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
244 sionären Dicht einmal, ob sie Christen oder Juden seien“.1) Auch von einem anderen מSchulstörer‘׳ (= Winkelschulhalter), ״dem alle Religionen gleichgeltend sind“,2) hören wir 1742. Der 1766 in Hamburg gegründete Verein für Waisenpflege liess seinen Zöglingen, soweit sie Lust und Talent dazu zeigten, fremdsprachlichen Unterrieht erteilen (Grunwald, Hamburgs deutsche Juden S. 131). Ausser Schul- oder Privatunterricht gab es noch eine weitere Möglichkeit, sich Wissen zu erwerben, bezw. sich für die Universität vorzubereiten: den Weg des mühevollen Selbstunterrichts. Wenn wir auch sahen, dass das Streben nach Bildung selbst in orthodoxen Kreisen früher einsetzte, als man im allgemeinen anzunehmen pflegt, 80 dürfen wir nicht uns darüber hinwegtäuschen, dass man in weiten Kreisen, — und diese bildeten die Mehrzahl, — sich profanen Studien gegenüber ablehnend verhielt. Zu den äusseren Schwierigkeiten. mit denen Autodidakten zu kämpfen hatten, traten häufig noch Anfeindungen der geschilderten Art. Deutlich zeigt uns dies der Lebensgang des später getauften Dr. Neuburg. Dieser wuchs im Hause seines alten Grossvaters in Frankfurt a. M. auf, der ihn ausschliesslich zu talmudischen Studien anhielt. Er aber fühlte sich bald hingezogen ״zu den Sprach- und den verbotenen philosophischen Studien, die er zu seiner einzigen Beschäftigung machen wollte; hinter dem Rücken des schlummernden Alten zog er das versteckte Buch hervor, und halbe Nächte durchwachte er bei heimlich erworbenem Lichte über von zurückgelegtem Taschengeld heimlich erkauften Büchern.“3) Der Bildungsgang von solchen Autodidakten ist häufig geschildert worden. Ich weise hier nur auf den Lehrer Maison in Oberndorf hin, der bereits zu 13 Jahren, mit dem Rabbinats-Diplom ausgestattet, in einer jüdischen Familie eine Hauslehrerstelle für hebräischen Unterricht innehatte und gleichzeitig von einem kleinen Hirtenjungen die deutschen Buchstaben erlernte.4) 1) Eiselen, Geschichte des deutschen Schulwesens in Frankf. a. M. S. 3. 2) Dass. Seite 22. •) Mappes, Festreden, Seite 130. ״Zum Andenken an den verstorbenen Direktor Dr. J. Neuburg.“ 4) Strassburger, Geschichte der Erziehung und des Unterrichtes bei den Israeliten, S. 169—172.