Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 277)
- Language
- German
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241 lehnend verhielten, ihnen freilich nicht dieselbe Sorgfalt wie ihren katholischen Mitschülern widmeten.1) Es ist daher anznnehmen, dass Jaden öfters ihren Unterricht genossen. In einem Falle gelang es mir, ausführlicheres, bisher unbekanntes Aktenmaterial zu finden. Dr. Beyfuss Anselm Schloss berichtet in dem seiner Dissertation ״Valetudo hominis nudi et cooperti“ (Göttingen 1753) beigedruckten Lebenslauf, dass er vom 14. bis zum 17. Lebensjahr (1754 bis 1757) das Idsteiner Gymnasium besucht habe. In den Akten dieser Anstalt befindet sich noch eine Nachricht aus dem Jahre 1735, wonach man jüdische Schüler zwar aufnahm, jedoch von ihnen einen Beitrag von 4 Talern zur Schulbibliothek und ein höheres Schulgeld verlangte, da sie zu der Schulstiftung auch nichts beigetragen hätten und nicht mit der Absicht kämen, Christen za werden.2) Auch im Gymnasium zu Offenbach a. M. befanden sich 1774 gleichzeitig 6 jüdische Schüler. Uber die näheren Umstände ihrer Aufnahme ist nichts mehr bekannt. In einem Reskript der Fürstliehen Regierung vom Jahre 1779 wurde zwar theoretisch der An- Spruch der Juden, ihre Söhne in das Gymnasium schicken zu dürfen, anerkannt, da sie auch beim Zuzug nach der Stadt 3 Gulden für den Schulfonds zu zahlen hatten; auch müsse ihnen, nachdem die Universitäten sie zur Immatrikulation und zu den Vorlesungen zulassen, von der Stadt die Möglichkeit einer entsprechenden Vorbildung gegeben werden. Allein in der Praxis lasse sich diese Absicht nicht durchführen, da das Vorurteil des Volkes gegen die Juden nicht ausser Acht gelassen werden könne; es seien manche christliche Eltern durch die Judenkinder tatsächlich schon davon abgescbreckt worden, ihre Kinder weiter in das Gymnasium zu schicken; auch seien durch den konfessionellen Charakter der Schule von der Anwesenheit jüdischer Kinder Unzuträglichkeiten zu befürchten, in erster Linie beim täglichen Schiilgebet. Die Regierung, die es ehrlich meinte, schlug deshalb vor, die jüdischen Kinder in Privatstunden von Lehrern des Gymnasiums unterrichten י) Schmidt, Enzyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens, III, 816. 2) Das Idsteiner Gymnasium besteht seit 1817 nicht mehr. Obige Mitteilung aus den Akten, die sich jetzt im Wiesbadener Staatsarchiv befinden, verdanke ich Herrn Rektor Ziemer in Idstein. Vergl. Anl. 6. Jahrbuch de! J. L. G. XIX. 16