Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 276)
- Language
- German
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2 IQ Eio weiterer Fall des Besuches einer öffentlichen Schule — der deutschen Stadtschule zu Worms — wird ca. 1700 erwähnt.1) Selbst 1786 konnte sich der liberal gesinnte Würzburger Erzbischof nicht ohne weiteres entschliessen, einen Juden ins Gymnasium aufzunehmen, obwohl eine Anzahl Schulen dies damals bereits taten, sondern forderte erst noch ein Gutachten vom Akademischen Senat der Universität ein, das freilich günstig ausfiel.2} Die Frankfurter Judenärzte haben die verschiedensten Schulen besucht. In ihren bei den Medizinalakten (Band 23) befindlichen Lebensläufen werden die Gymnasien zu Hadamar, Worms, Aschaffenburg und Fulda genannt. Trotz Nachforschens liess sich aus den Schulakten, soweit solche überhaupt noch existieren, nichts Näheres hierüber feststellen. Nur von Hadamar erhielt ich wenigstens die spärliche Nachricht, dass diese Anstalt, ״wie aus der Chronik erhellt, schon alsbald nach ihrer Gründung (am 3. Oktober 1652) auch von Nicht-Katholiken besucht wurde.4‘ Jonas Bonn, der nach vollendetem Studium und bestandener Promotion 1665 um die Zulassung als Frankfurter Judenarzt nachsuchte, hat sieh dort als Schüler in den ersten Jahren ihres Bestehens aufgehalten. Ein etwas älterer Arzt, Salomon Bing, (geh. ungefähr 1615), besuchte das Jesuiten-Colleg in Mainz und Prag. Dies ist nicht erstaunlich, da die Jesuiten sich der Aufnahme von Nichtkatholiken gegenüber im allgemeinen nicht abthaler Gymnasium in Berlin besuchte. Er trat 1756 im Alter von 15 Jahren in die ״zweyte Classe von unten“ ein und ״absolvierte im Jahre 1759 das Gymnasium.“ Auf eine Anfrage beim Joachimsthal’sehen Gymnasium, das sich jetzt in Templin befindet, erhielt ich folgende Antwort: ״Auf Ihre Anfrage betreffend ״Leon Elias Hirschei“ haben Archivnachforscliungen ergeben, dass ein gewisser ״Levin Hirschei Berolinensis Judaeus“ im Klassenbuch der Tertia 1757 an letzter Stelle verzeichnet ist. Er tritt nicht vorher und auch später nicht wieder auf, hat also offenbar in diesem Jahre die Klasse wieder verlassen. Zusammen mit ihm genannt wird ein gewisser ״Gordon. Polonius. Judaeus“. Auch von ihm fehlt sonst jede Spur. — Auch Alumnus ist er satzungsgemäss nicht gewesen“. Hirschels eigene Angaben, dass er 1756—59 das Gymnasium besucht habe, sind wohl zuverlässiger. Wahrscheinlich hat er am Unterricht teilgenommen, ohne dass er — als Jude — ins Klassenverzeichnis aufgenommen wurde. Über seinen Kameraden Gordon konnte ich nichts weiteres finden. *) Schultze, Geschichte der Familie Wallich, Seite 188. MGWJ 1905. •) Journal von und für Deutschland, 1787, II, S. 508.