Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 124)
- Language
- German
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88 öprungliche Beistand noch aus dem heutigen Texte hervor. Da man aber später die ganze Gemeinde von ihrem Gelübde absolvierte, musste die Sprache demgemäss geändert werden, und die Schlusssätze der Formel sind schon durchaus in der Mehrzahl gehalten. Warum aber hat man aus der privaten Angelegenheit des von seinem Gelübde bedrückten Mannes eine gemeinsame, eine öffentliche Angelegenheit gemacht? Das ist die grosse Frage, und die Quellen geben darüber leider keine Auskunft. Davidson, der sich zuletzt über unser Thema ausgesprochen, begnügt sich zu sagen: Später aber wurde die Formel in die Synagoge eingeführt, so dass durch dieselbe auch solche absolviert wurden, die es vergessen hatten, ob sie ein Gelübde machten oder nicht; ich füge hinzu: auch solche, die sich sicher sind, dass sie überhaupt kein Gelübde machten. Da nun, glaube ich, kann ein Gedanke, den der verstorbene S. Poznanski, dieser grosse Kenner des Karaismus, ausgesprochen, von weittragender Bedeutung sein. In seiner kleinen Schrift, in der er die Bloch’sche Theorie ablehnt, bemerkt er: ״Sollte nicht die zur Zeit Jehudai’s* 1) entstandene Sekte der Karäer, die die היתר נדרים verspottete,2) hier Ursache gewesen sein?“ Unser K. N., Ritus) bietet die askenazische Fassung 8 ,להבא• C. Bernheimer, Paleografia Ebraica, Firenze 1924 p. 309 (daraus in קרית ספר I, 186); aber Natronai und Hai zugeschrieben, was doch falsch ist! 1j Jehudai ist wohl der älteste Gaon, der von K. N. weiss. Der oft angeführte R. Natronai, der entschiedenste Gegner des K. N., citiert bereits den R. Judai (הלכות פסוקות No. 122, p. 64 ed. J. Müller); demzufolge, so sagt Pozn. mit Recht, kann mit jenem nur Natronai ben Hillai gemeint sein (er funktionierte um 853) und nicht etwa der ältere N. ben Nehemia. In anderen Dingen jedoch nehmen die genannten Geonim Judai and Natronai Stellung gegen die karäische Praxis; s. A. Marmorstein in Schwarz-Festschrift S. 460. *) Juda Hadassi, אשכל הכפר No. 139 n. 140 polemisiert weitläufig gegen die rabbinlsche התרת נדרים. Stimmen darüber vor ihm und ausser ihm konnte ich in der mir zugänglichen Literatur nicht finden, obzwar doch die Sache wichtig genug ist. J. H. Weiss, Dor Dor we-Dorschav IV, 94 verzeichnet bloss: אין הקראים מודים בהיתר נדרים — ohne Quelle. Laut gütiger Mitteilung von Dr. J. Markon polemisieren gegen התר נדרי□ noch die Karäer Jefeth ben Ali und Jeschua ben Jehuda in ihrem Komm, zu Num. 30, 2ff. Siehe auch עק p in דיני נדרים und אדרת אליהו hi c. שבועות. [Auch in dem karäischen Pentateuchkommentar des Aron II Niko-