Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
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?1 ihm und den Juden sein lebenlang gedenken und sich sc dankbat erweisen, dass er die Juden seines Landes, die er vor einiger Zeit vertrieben, wiederum aufnehmen werde, ßabbi Jehuda hielt ihm eine vernichtende Geisselrede und brandmarkte das Schimpfliche seines grauenhaften Vorhabens, das ihm Gott im vorhinein offenbarte, rettete ihn aber schliesslich, indem er ibn schwören liess, dass er sein Versprechen halten und den Juden Gutes erweisen werde. Der Erzbischof hielt dann in der Tat sein Versprechen, beriet die Juden wiederum in sein Land und bedrückte sie nie mehr. Später zog er sich von der Regentschaft zurück, verlies» seinen Glauben und nahm das jüdische Bekenntnis an. Er führte als Proselyt ein frommes Leben und man nannte ibn ״Zaddik*. Ein historischer Kern lässt sich aus dieser Sage schwer herausschälen. Rabbi Jehuda aus Speier Hachassid lebte und wirkte in Regensburg gegen Ende des 12. Jahrhunderts (starb 1217). ln diesem Zeitraum sass kein Fürst auf dem Salzburger Bischofsstuhl, auf den manche der in der Sage enthaltenen Züge auch nur einigermassen passen würden. Nun könnte es allerdings sein, dass eine spätere* erzbischöfliche Gestalt in die Sage eingesponnen wurde. Die Sagenkreise pflegen es mit ein paar hundert Jahren herauf oder herunter nicht genau zu nehmen. Allein die ganze Geschichte der Salzburger Erzbischöfe — so reich sie an abenteuerlichen Wendungen auch ist — weist keine Persönlichkeit auf, die der legendären Gestalt in unserer Sage ähnlich wäre. Man könnte höchstens, soweit es einen Erzbischof betrifft, der die Juden verfolgt hatte und sie dann wiederum ins Land rief, an Eberhard III. von Nenhaus (vgl. Bd. I 114—128, 136) denken. Aber die Identität dieses Regenten mit dem in Rede stehenden ist bei näherer Wesensbetrachtung höchst fraglich. Nach der Vernichtung der Juden in Salzburg zur Zeit des schwarzen Todes (1349) hat auch der damalige Erzbischof, Ortholph, die Überlebenden wieder ins Land gerufen. Aber auf Ortholph passt wieder die Schilderung in unserer Sage nicht, wonach der Erzbischof die Juden vor dem Ereignis mit Rabbi Jehuda verfolgte, denn Ortholph war kein Judenhasser (vgl. Bd. I 84, 88—90). Jedenfalls zeigt die Sage, welch tiefen Eindruck