Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
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?0 Es handelt sich um eine Verherrlichung Rabbi Jehudas, der nicht nur von seinen jüdischen Zeitgenossen mit dem Beinamen ״Hachassid“ belehnt wurde, sondern auch in den Augen der Nichtjuden seiner Zeit als ״Heiliger“ galt. Von weit und breit suchten ihn Rat- und Hilfeheischende auf. Er führte Dispute mit Kirchenfürsten und Reichsedlen, und sein Haus war der Sammelplatz einer interkonfessionellen Geistes-Elite. Die Sage, die sich um jede volkstümliche Persönlichkeit rankt, hat sich in diesem Falle, um die Machtgrösse des Regensburger Gottesmannes in ein umso helleres und strahlenderes Licht zu rücken, den Erzbischof von Salzburg, den Träger des machtvollsten und glänzendsten Namens jener Zeit, als Antipoden Rabbi Jehudas ausersehen, um zu zeigen, wie der jüdische Rabbi, kraft seines Gottesgnadentums, selbst über diesen zu siegen und dessen ränkevolle Pläne zu durchkreuzen wusste. Der Inhalt lässt sich etwa folgendermassen kurz darstellen: Der Ruf Rabbi Jehudas drang auch bis zum Bischofstuhle des Fürsten von Salzburg. Den Erzbischof verdross es jedoch, dass sich ein Jude eines solch grossen und weitragenden Ansehens erfreuen sollte. (Er meinte, dass dies auf ihn selbst und seine hohe Kirchenfürstlichkeit gewisserin assen verdunkelnd wirken müsse). Er beschloss also mit dem jüdischen Geistesrivalen kurzerhand fertig zu werden und ihn mit eigener Hand zu ermorden. Der Plan sollte mit Hilfe einiger hochstehender Personen des Salzburger Hofes ausgeführt werden. In deren Begleitung reiste der Erzbischof eines Tages nach Regensburg. Dort begab er sich in die Behausung des Rabbi. Dieser befand sich gerade im Lehrhause beim Vortrage und machte die Jünger schon im vorhinein auf die kommenden Dinge aufmerksam. Der Erzbischof, ein scharf geschliffenes Messer versteckt im Schuhwerk tragend, trat ein, fragte nach dem Rabbi, näherte sich ihm und stellte das Verlangen, ihm, da er von seiner Wundertätigkeit gehört, gleichfalls ein Wunder- Zeichen zeigen zu dürfen: Rabbi Jehuda liess den Erzbischof hierauf ans Fenster treten und forderte ihn auf hinauszulugen, wenn er Wunder sehen wolle. Als der Erzbischof dies tat, engten sich plötzlich die Wände des Fensters so aneinander, dass er erwürgt zu werden meinte. Er schrie aus Leibeskräften and bat, voll Schrecken und Angst, den Rabbi ihn von einem so furchtbaren und schimpflichen Tode zu befreien; er wolle es