Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3486266-3486303--7341-3493718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 gingen dem Direktorium die Gelder verloren, die für die Konzession der einzelnen Stellen gezahlt werden mussten. Da lag die Gefahr nahe, dass noch mehr Ämter zus am mengezogen wurden. Wo blieben dann die Einkünfte der Chargen-, der Stempel-, der Kanzleikasse etc. von den ״Kollers (Schächtern), Totengräbern, Kranken- Wärtern und all’ den schönen Schulbedienten- oder publiquen Bedienten-Stellen1, die von den Gemeinden geschaffen worden waren, um einzelnen Juden Aufenthaltsberechtigung zu ermöglichen, die aber nun der Staat aufrecht erhalten wissen wollte, um keine Abgaben zu verlieren. Schon der Vorschlag, zwei publique Ämter2 mit dem privaten Amte des Schulmeisters zu verbinden, schien gefährlich. Der Staat kommt zu Schaden! Lächerlich ist es, dem Levin geradezu anzudichten, dass er ״Lust habe“, also darnach trachtete, das Generaldirektorium um seine Einkünfte zu bringen. Eine solche absichtliche Schädigung hat dem Antragsteller völlig fern gelegen. Dass ein Schaden für den Staat ein treten könnte, daran hat Levin ebensowenig gedacht, wie überhaupt jemand auf diesen Gedanken kommt, wenn er sich den im § 14 gemachten Vorschlag durchliest. Nur das berechnende Generaldirektorium sah die Folgen voraus, die es veranlassten, mit allen Kräften Widerstand zu leisten. Ungerecht ist es, zu behaupten, dass der ganze moralische Charakter des Levin Joseph aus Geldgierde und Geldschneiderei bestehe. Hätte es dem Generaldirektorium nicht gut gestanden, wenigstens mit Einem Worte das edle3 * * * * 8 1 Das Privileg von 1750 zählt noch für Berlin auf: Rabbi, dessen Beisitzer, Ober- und Unterkantor nebst Bassisten und Diskantisten, Klepper (Schulklopfer), Synagogendiener, Kirchhofswächter, Fleischhacker, Scharrenschreiber nebst Kontrolleur, Bäcker, Garkoch, Gesetzscbreiber, Torsteher nebst Gehilfen, Lazaretaufwärter, Arzt, Badediener, Badefrau, Federviehmäster und Buchdrucker. In Potsdam gab es zur Zeit Levin Josephs einen Kantor, einen Türsteher, einen Klepper, einen Totengräber: Geh. Staatsarchiv R. 104, IV C Nr. 236b. Der Kantor Joseph Hirsch (bis 1772) und sein Nachfolger Meyer Israel (approbiert 30. März 1774) waren gleichzeitig Schächter, vereinigten also zwei Ämter. * Levin nennt nur Kantor und Schächter, von den anderen im Gutachten des Generaldirektoriums erwähnten Ämtern spricht er garnicht. 8 Während König S. 303 Levins Gesuch billigt, urteilt Geiger I, 84, dass Levin unter dem Scheine einer Verbesserung des jüdischen Schulwesens sich eine Stelle verschaffen und seine Einkünfte zu erhöhen suchte, indem er sich zum Aufseher über das ganze Schulwesen machen lassen wollte. Man hat