Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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61 gestiftet. Nur eins fehlte: Der Mann, der alles leiten sollte* Levin schlug sich selber für diesen Posten vor. Literarische oder pädagogische Leistungen, die ihn zum obersten Schulleiter befähigten, sind von ihm nicht bekannt. Er war in Potsdam nicht hei der Gemeinde angestellt1, sondern Privatlehrer: ״Judenschulmeister“, wie er sich nennt. Sonst erzählt er nur noch von sich, dass er aus eigener Erfahrung wisse, ein Lehrer könne mit gehörigem Fleisse 30—36 Kinder in der Unterklasse der Bibelschule unterrichten. Das spricht hei den damaligen Schulzuständen nicht für ihn. Er rügt die lächerlichen und schwärmerischen Begriffe der polnischen Lehrer, denunziert die mit wenigen Ausnahmen sieh kümmerlich ernährenden Hauslehrer und Schulmeister2, dass sie jährlich 125000 Taler an verdienten Unterrichtsgeldern ans dem Lande schleppen, bezeichnet die ״religiösen“ ausländischen Autoren, die auf eigene Kosten ihre gelehrten Werke drucken liessen und selber verkauften, als schwärmerische Heilige, die mit ihren gedruckten andächtigen Grillen den Geschmack der deutschen Juden verderben, weshalb — und gleichzeitig damit nicht das Geld ins Ausland wandere — die Einfuhr fremder hebräischer Bücher überhaupt verboteu werden solle, brandmarkt seine deutschen Glaubensgenossen als roh und ungebildet3 und redet von weisen Gesetzen des Staates, obgleich dieser gerade durch seine Gesetzgebung dem Juden auf Schritt und Tritt das Leben erschwerte. All dies empfieblt ihn nicht besonders zum pädagogischen Führer in Israel, am allerwenigsten zum Leiter aller preussischen Bibel- und Talmud- 1 Kaelter, Geschichte der jüdischen Gemeinde za Potsdam, Potsdam 1903, S. 73. 2 Nach Geiger I, 75 waren es ״Polen, die des Betteins wegen nach Deutschland zogen und ihre dürftigen Kenntnisse mit rohen Mitteln in ungebildeter Weise den Zöglingen mitteilten“. Dieses ungerechte Urteil ist durch keine ungetrübten Quellen zu belegen. Eine solche ist nicht Saul L0vins 1784 geschriebene Satire כתב יושר! die zum Schutze Herz Wesselys gut gemeint ist, aber den Stempel massloser Übertreibung an sieh trägt. Der exceptionelle Einzelfall bei Bendavid ist nicht zu verallgemeinern (oben S. 45 Anm. 1). Man sehe, was derselbe Bendavid an anderer Stelle (oben S. 49) von der milden Zucht in den Talmudschulen sagt. Übrigens soll es auch nichtjüdische, deutsche schlagbereite Lehrer gegeben haben und noch heute geben. 3 Siehe oben S. 52 Anm. 2.