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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 89

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 89)
Language
German
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Allerdurchlauchtigster etc. Ew. Königlicher Majestaet geruhen in allerhöchsten Gnaden sich vorstellig machen zu lassen, wie ich bey meiner Nation zw ey Missbrauche an gemerket, welche sowohl unseren moralischen Character als auch dem Interesse des Staats höchst nachtheilig sind. Beyde habe ich in der Beylage weitläufiger sowie auch die Mittel zu deren Coupirung allerunterthänigst angeftihret und halte ich mich versichert, dass insofern Ew. Königl. Majestaet diese letztere in Ausübung bringen zu lassen allergnädigst geruhen wolten, dadurch bey meiner Nation nicht allein bessere und nützlichere Bürger für den Staat gebildet, sondern das1 auch für selbigen so nachtheilige und unten angezeigte Geld-Schleppen aus dem Lande gehemmet werden würde. Ich ersterbe in der tiefsten Submission Ew. Königl. Majestaet allerunterthänigster Knecht Levin Joseph Juden« Schulmeister allhier. Potsdam den 30ten2 Martius 1772. Der erste Missbrauch, welcher der Nation Selbsten naehtheilig ist, bestehet in den verkehrten Unterricht unserer ungesitteten und unwissenden Schulmeister, Diese sogenante Lehrer, die wir gemeiniglich aus fremden und barbarischen Gegenden herholten3, ersticken in uns den Keim zu allen schönen Wissenschafften und bringen uns dagegen bloss ihre lächerliche und schwärmerische Begriffe bey, woher es denn ohne allen Zweifel kömmt, dass, wenn wir auch unter den weisesten Gesetzen leben, wir dem ohngeachtet roh und ungebildet bleiben. Derjenige Nachteil, welcher dem Staate hieraus erwächst, ist dieser, dass, da eben diese unsere fremde Lehrer nicht länger4 als drey bis vier Jahre oder so lange bis sie ihre in Verfall gerathene Wirthschafft in ihrer Heimath durch den alhier gemachten Gewinnst wieder retabüren können, im Lande bleiben und hierauf wiederum nach Hause 1wandern, sie sodann das allhier im Lande erworbene Geld mit fortschleppen. Man5 kann immer sicher behaupten, dass ein jeder drey bis vierhundert Ducaten mitnimmt, ohne dassjenige zn rechnen, was er während seines hiesigen Aufenthalts seiner Familie zugeschicket hat. Wenn man also nur die niedrigste Zahl setzet und annimmt, dass in Ew. Königl. Majestaet sämtlichen Landen 500 jüdische Schulmeister sind, von denen ein jeder jährlich 250 Btli. verdient, als welche man6 ihm im Durchschnitt sicher geben kann, so werden folglich diese 500 Schulmeister in einem Jahre 1 Vorl. dass. 2 Das Schreiben des Generaldirektoriums vom 19. Mai 1772 (siehe weiter) gibt als Datum der Eingabe Josephs den 13. März an, auch eine bei den Akten liegende Abschrift der Eingabe hat den 13. März. 3 So, Abschrift: herholen. 4 Vorl. langer. 5 Vorl. Mann. 6 Vorl. mann.

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