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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 88

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 88)
Language
German
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_52_ stunden nimmt, die der Jude im Schreiben und Rechnen empfängt, so hat man den ganzen Unterricht, den er geniesst und womit er sich, wie man zu sagen pflegt, durch die Welt helfen muss.“ — Das Urteil, das Bendavid über den Talmud fällt, nimmt bei einem Manne nicht Wunder, der das auf Bibel und Talmud beruhende ״Ceremonialgesetz“׳ schändlich und sinnlos nennt, in ihm ein Hindernis zur Glückseligkeit erblickt und seine allgemeine Ab- Schaffung für unentbehrlich zur Erlangung der bürgerlichen Gleichberechtigung hält, da es einen schädlichen Einfluss auf den Charakter der Juden ausübe; an Stelle des ״Aberglaubens der Väter“ müsse die reine Lehre Mosis, die Lehre der natürlichen Religion, treten.1 Dem gegenüber ist festzustellen, dass durch Erziehung in eben diesem geschmähten Ceremonialgesetz und durch den von Bendavid geschilderten Unterricht in Bibel und Talmud ein Geschlecht heran gebildet wurde, das in toratreuer Lebensführung erstarkte und besonders in sittlich reinem Familienleben einen Ersatz für das fand, was ihm die unduldsame Aussenwelt versagte. ״Wäre deine Lehre nicht mein Entzücken gewesen, ich wäre in meinem Eiend umgekommen“. Auch ohne Mathematik und Anatomie stand der Jude in seiner Bildung geistig und sittlich mindestens so hoch wie der Durchschnitt der ihn umgebenden, christlichen städtischen Bevölkerung, zweifellos aber höher als die christliche Landbevölkerung, die doch die Masse des Volkes ausmachte.2 II. Der Unbeständigkeit und Regellosigkeit des Unterrichts *suchte ein Vorschlag abzuhelfen, den der Potsdamer ,,Judenschulmeister“ Levin Joseph 1772 in einer Immediateingabe an König Friedrich II. vorlegte. Dieser Plan3 zur Verbesserung der Erziehung der jüdischen Jugend ist so interessant, dass es sich verlohnt, ihn im Wortlaut näher kennen zu lernen. 1 Bendavid, Etwas zur Charakteristik der Juden, Leipzig 1793, S. 45, 53—57, 62, 65. 2 Wer wie Levin Joseph (siehe weiter) von Rohheit und Unbildung der damaligen Juden redet, hat sich daher erst in anderen Kreisen umzusehen, bevor er seine Glaubensgenossen verunglimpft. 8 Die einschlägigen Akten des Justizdepartements werden im Geh. Staatsarchiv Dahlem R. 21 Nr. 207 b, 2 a aufbewahrt. Vgl. König, Annalen S. 302—303.

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