Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 85)
- Language
- German
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49 und der Bibelunterricht als ein wichtiger Gegenstand behandelt wird...1 Der Bibelunterricht, der gewöhnlich nur bis in das sechste Jahr dauert, wird oft in der Schule, aber grösstenteils im Hanse der Eltern, durch einen Gehülfen des Schullehrers betrieben, weil dieser letztere es meistens unter seiner Würde hält, sich damit zu befassen. Es gibt freilich einige Schulen für den Unterricht in der Bibel, allein weder sie, noch die Lehrer derselben stehen in sonderlicher Achtung. Ihr Unterricht wird von den Lehrern der talmudischen Schulen schimpfweise mit dem Namen ackern, sie selbst mit dem Namen des bei den Syriern so verhassten Hand- Werkes eines Burseke,2 Lohgerbers, belegt, und die Kinder fühlen sich sehr entehrt, wenn sie wegen schlechter Aufführung von einer talmudischen Schule in eine Bibelschule versetzt werden. Eine Schule, worin der Talmud gelehrt wird, heisst dem Juden nur eine Schule, und der Knabe hat bei gewöhnlicher Fähigkeit kaum das sechste Jahr erreicht, als er in die Schule3 geschickt wird. Zum Ruhme derselben muss ich sagen, dass die Lehrer meistens die Kunst verstehen, das Herz ihrer Schüler zu gewinnen. Es ist eine Seltenheit, dass Kinder mit Gewalt in die Schule geschleppt werden müssten oder in derselben eine hartherzige Behandlung zu befürchten hätten. Empfindlichkeit und Strenge gegen die Schüler sind dem Lehrer durch das Gesetz4 verboten, und die Schulzucht ist so lose, dass das Kind, unerachtet es gewöhnlich volle acht Stunden des Tages in der Schule zubringt, doch lieber da als in dem väterlichen Hause verweilt. 1 Als Grund für die bisherige Vernachlässigung gibt Bendavid an, dass die jüdischen Priester gleich den christlichen das Studium der Bibel nicht wünschten, damit man nicht erfahre, wie wenig von den ausgeübten Ceremonien in der Bibel stehe. Wie Luther durch seine Bibelübersetzung um die Christen, so habe sich Mendelssohn durch seine Übersetzung um die Juden und ihre religiöse Aufklärung ein Verdienst erworben, weshalb sein Andenken bei den, wenn er sich so ausdrücken dürfe, papistisch gesinnten Juden verabscheut sei. Biese Hessen ihre Kinder noch jetzt (1800) sobald wie möglich zum Studium des Talmud übergehen, um sie in Eeligionssachen nicht klüger werden zu lassen, als wie sie selber seien! 2 יבורסקי eigentlich die Lohgerberstätte. 3 Talmudschule. 4 Religionsgesetz. Jahrbuch der J. L. G. XIX. 4