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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 84

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 84)
Language
German
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48 jeder Buchstabe der ganzen Zeile nur mit dem nämlichen Vocal bezeichnet ist. Das Kind, das solcher Gestalt vier oder fünf Buchstaben mit ihren Vocalen auszusprechen gelernt hat, das z. B. sagen kann: b, a, ba; g, a, ga; d, a, da5 müsste gar kein Gehör haben, wenn es nicht gleichsam instinktmässig t, a, ta; k, a, ka; u. s. w. sagte.1 Mit dieser Übung ist das Lesen erlernt. Denn da in der hebräischen Sprache kein Buchstabe ohne Vocal angetroffen wird und nur am Ende eines Wortes hierüber dann und wann eine Ausnähme stattfindet, so braucht das Kind nur diese zu wissen und sich einige Fertigkeit darin zu erwerben, um lesen zu können. Die Reihe kommt nun an den Bibelunterricht. Dieser besteht darin, dass man dem Kinde die fünf Bücher Moses der Ordnung nach in der verdorbenen.2 unter den Juden üblichen Sprache erklärt und diese Erklärung so oft wiederholt, bis es den Sinn gefasst und begriffen hat. An die so nötigen, grammatikalischen Vorkenntnisse, an eine richtige Exegese ist nicht zu denken, und selbst dieser armselige Bibelunterricht dauert nicht gar lange, und selten wird ein Kind weiter als bis über die Mitte der Exode3 geführt. Erst in neueren Zeiten ist die jüdische Jugend so glücklieh, dass sie*4 die Bibel nach einer guten Übersetzung5 gelehrt 1 Durch diese ״sehr bequeme und zweckmässige“ (!) Methode gelangen wir zum Verständnis einer monströsen Tabelle, die in den Rödelheimer Siddurim im Anschluss an die Heidenheim-Baersche ״Vorerinnerung“ bis in die neueste Zeit abgedruckt und selbst noch in der Nobelschen Ausgabe beibehalten wurde. Die dort befindliche ״Tabelle zur Übersicht der mannigfaltigen Laute und Töne des ״אלף בית ist identisch mit den von Bendavid erwähnten acht Zeilen und hat als Leseblatt früher zum Erlernen der Buchstaben gedient. Nur sind im Rödelheimer Siddur noch eine neunte Zeile mit Sch’wa und eine zehnte mit den Chatefvokalen hinzugekommen. 2 Da der jüdisch deutsche Dialekt im Gegensatz zur neuhochdeutschen Sprache stand, galt er als ״verdorben“. Erst die späteren linguistischen Untersuchungen und der Weltkrieg haben seine Ehrenrettung gebracht. Merkwürdig ist, dass es im 18. Jahrhundert niemandem eingefallen ist, in gleicher Weise z. B. den Berliner niederdeutschen Dialekt oder die deutsch-französische Mischsprache Friedrich des Grossen als verdorbenes Deutsch zu bezeichnen. 8 So. Gemeint ist das zweite Buch Exodus. 4 So. * Pentateuch und Psalmen nach der Übersetzung Moses Mendelssohns.

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