Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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45 Schicksal voraussagte. Auch nicht in einem von uns hat der MeuscheDkenner sich geirrt. Die Hauptzüge seiner Voraussagung haben pünktlich zugetroffen ... Aus der Schule meines ehrlichen Lehrers Jacob trat ich als ziemlich guter Talmudist heraus. Ich wusste ganze Abhandlungen des Talmuds auswendig und verstand, sie au! wirkliche Fälle anziiwenden. Ausserdem hatte ich Fortschritte in der Bibel nach dem hebräischen Texte und der chaldäischen Paraphrase des Pseudo- Onkeles, in der Grammatik und Logik gemacht und, da mir in dem Hause meines Grossvaters eine syrische und arabische Grammatik in die Hände gefallen war, verschaffte ich mir durch die Verwandtschaft dieser Sprachen mit dem Hebräischen und Chaldäischen auch einige Kenntnis in diesen. Überdies hatten mir meine Eltern einen französischen Sprachmeister gehalten, der nicht nur seine Sprache philosophisch kannte, sondern auch mit den lateinischen Classikern vertraut war. Herr Naude, so hiess er, war uneigennützig und, ungeachtet er nur einen Taler für 24 Stunden erhielt, erbot er sich doch freiwillig, mir, ohne dass meine Eltern etwas davon wussten, statt des Französischen einige Stunden im Lateinischen zu geben. Ich hatte, wie schon gesagt, alles bunt durcheinander gelesen, was mir vorkam: den AbuUeda und den Koran, das neue Testament und Rousseaus Emil, Voltaires Pucelle und Therese philosophe, die deutschen Dichter und Wolfs Metaphysik, kabalistische und medizinische Bücher. Herr Naude hatte dagegen nichts einzuwenden; aber er lehrte mich, meine Zeit einteilen and Nutzen von meiner Lektüre ziehen. Mehr als das verdanke ich ihm die Sorgfalt, die er auf die Verbesserung meines deutschen Styls verwendete, und den Sporn, den er mir gab, deutsche Aufsätze auszuarbeiten. Ich wurde nun abermals in die Schule eines Polen1 geschickt, von dem ich weder Gutes noch Böses zu sagen weiss, weil ich 1 Ausser der Mutter und dem Grossvater der fünfte jüdisehe Lehrer. Es folgten noch zwei andere. Unter den sieben waren drei ״Polen“. Nur der erste wird wegen seines Prügelns als ״Unmensch“ bezeichnet. Über den zweiten (Jacob) ist Bendavid des Lobes voll. Vom dritten weiss er ״nichts Böses“ zn sagen, was schon eine Art Anerkennung bedeutet; der Schüler bat nur bei ihm keine Fortschritte gemacht. Keinem der Sieben werden ״dürftige Kenntnisse“ in ihrem Lehrfache naehgesagt, keiner wird als Bettler oder