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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 82

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 82)
Language
German
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46 bei ihm, da ich keine Fortschritte machte, nur ein halbes Jahr blieb und zu dem Hauslehrer eines reichen hiesigen Juden in die Schule gethan wurde. Die drei Kinder seines Brotherrn, mein Vetter Jonas und ich waren seine einzigen Schüler . . . “ Von diesem Lehrer kam der 12jährige Bendavid in eine andere Schule zu einem Manne aus Mähren. Mit Beginn des 14. Lebensjahres, nachdem er Barmizwa geworden und bei der Feier eine talmudische Rede gehalten hatte, nahm er lateinischen Unterricht bei Prof. Schlosser und suchte für sich ״noch einige neuere Sprachen zu erlernen. Hingegen wurde mein Unterricht in der talmudischen Schule laxer, und ich verband mich mit Bewilligung meiner Eltern mit einem meiner Anverwandten, der eine eigne Handlung errichtete, zur Führung seiner Bücher und Besorgung der übrigen Geschäfte für eine Tantieme vom Gewinn. Allein ich blieb nicht lange bei ihm... Von Geographie und Mathematik hatte ich noch nicht die mindeste Kenntnis, weil alles, was ich wusste, mir durch den Zufall geworden war* 1 und dieser es wollte, dass mir keine Bücher der Art zu Gesichte gekommen waren. Jetzt machte ich aber mit einem jungen Menschen Namens Marcus aus Hamburg Bekanntschaft-, der Mathematik bei einem hiesigen Professor hörte... “ Bendavid besorgte sich ״die ersten sechs Bücher des zu Wien herausgekommenen deutschredenden Euklids“, studierte sie vom Anfänge bis zu Ende durch und brachte es in kurzer Zeit so weit, dass er die Sätze demonstrieren und die Aufgaben konstruieren konnte. Er wurde mit Prof. Lambert bekannt, der ihm zur Fort- Setzung seiner mathematischen Studien Bücher gab und mit Moses Mendelssohn, ״der die auserlesensten mathematischen Werke be- Schnorrer hingestellt. Nach Guttmann in Monatsschrift f. Gesch. u. Wiss. d. Jud. 1917, S. 31 hat Bendavid in seiner Selbstbiographie ״von dem Schrecken und der pädagogischen Unnatur der Chedarim oder Talmudschulen eine anschauliche Schilderung entworfen.“ Man sieht, selbst ein so ernster Forscher wie Jacob Guttmann ist der Generalisierung zum Opfer gefallen. 1 Das stimmt doch nicht ganz. Abgesehen vom Bibel- und Talmudunterricht, dem sich hebr. Grammatik und Logik anschlossen, hatte Bendavid bei der Mutter deutsches Lesen gelernt und hatten ihm die Eltern Hauslehrer für Schreiben, Rechnen, Buchhaltung und Französisch gehalten. Auch der Lateinunterricht bei Schlosser ist doch wohl von den Eltern bezahlt worden. Das Obige kann sich nur auf Bendavids Lektüre beziehen.

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