Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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44 nicht getan, so tut es noch jetzt, und nun, Spass bei Seite, Ernst hervor! Hiemit begann der Unterricht wie gewöhnlich mit aller möglichen Emsigkeit wieder aufs neue. Ausser dem Talmud und der Bibel lernten wir, was sehr ungewöhnlich in jüdischen Schulen ist, von ihm die hebräische Grammatik und die Logik des Aristoteles nach Maimonides.1 Selbst an Tagen, wo keine Schule gehalten wird, behielt er uns unter seiner Aufsicht, indem er mit uns spazieren ging und an unsern Spielen teilnahm. Doch wurde nicht viel gespielt, weil wir eine ganz andre Unterhaltung hatten. Mein Vater nämlich besass eine ziemliche Sammlung von Büchern der heterogensten Art, von denen ich eins nach dem andern, wie es mir in die Hände fiel, ohne Auswahl und Anleitung las und mir Stellen, die mir gefielen, ausschrieb (man hatte mir im väterlichen Hause Privatunterricht im Schreiben, Rechnen und Buchhalten erteilen lassen). Meine Schulkameraden, die von meiner Belesenheit wussten, verlangten, dass ich ihnen etwas davon erzählen sollte. Ich erzählte ihnen daher... Doch wurden Kinderstreiche genug vorgenommen. Gewöhnlich verstecken wir uns einzeln auf dem neuen Markt, wo das Schulhaus war, und wenn dann ein Kind2 aus einer andern Schule vor einem dieser Häuser vorbeiging, wurde von dem Versteckten das Losungswort ״ein Braten!“ gerufen; wir liefen alle zusammen und neckten den Fremdling.. . Alles, was wir Vornahmen, geschah in Corpore, weil wir uns wirklich durch die väterliche Sorgfalt des Lehrers wie Brüder betrachteten... Die Freude meines guten Lehrers, als ich (nach einer glücklieh bestandenen Krankheit) wieder in die Schule kam, war grenzenlos. Es wurde ein ordentliches Fest von ihm veranstaltet und, was mehr ist, er rückte mit den übrigen Schülern im Unterrichte nicht weiter, sondern wiederholte, was sie in den sechs Wochen gelernt hatten, damit ich nichts versäumt haben sollte. Als er nach Verlauf von drei Jahren3 nach seiner Heimat zurückkehrte, nahm er aufs zärtlichste Abschied von uns und hielt uns eine Rede in dem Geschmack der des Erzvaters an seine Kinder, worin er uns aus unserm ihm sehr wohl bekannten Charakter unser künftiges 1 Druck: Mamonides. * Natürlich ein jüdisches. 9 Länger war der Aufenthalt nicht gestattet. Siehe S. 40.