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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1928-01-01 · XIX. (1928) · page 79

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIX. (1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 79)
Language
German
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43 einem in demselben befindlichen alten, gutmütigen Murrkopf aus Ostrode1 einige Anweisung erhielt. Mein Grossvater selbst, ein sehr unterrichteter Mann, beschäftigte sich mit seinen Enkeln ungemein gern. Von ihm wurden wir in der Bibel unterrichtet, von ihm zum Klettern, Tragen schwerer Lasten und sonst gymnastischen Übungen angehalten. In dem Gärtchen hinter seinem Hause versammelte sich die ganze Jugend der Nachbarschaft; es wurden Schlachten geliefert und ich nebst meinem Vetter Jonas, als die stärksten unter allen, zu Heerführern vom Grossvater ernannt... Da die mehrsten meiner Anverwandten mütterlicher Seite Fabrikanten waren, lief ich mit den Kindern bey den Meistern und Stuhlarbeitern herum, wenn etwas zu bestellen war, sah ihre Werkstätte, ihre Stühle2 und versuchte oft, den Schützen selbst zu führen. Die Meister, denen meine Wissbegierde gefiel, zeigten mir die Einrichtung ihrer Stühle gern, und so erwarb ich mir frühzeitig nicht nur einige Waaren- und Fabrikations-, sondern auch tecbnologische Kenntnis. Meinem Vater behagte das nicht ganz, und ich wurde wieder in eine förmliche talmudische Schule zu einem Polen Namens Jacob gethan. Edler Kinderfreund, ruhig schlummere deine Asche l Du hattest deine 9 Zöglinge3 wie deine Kinder geliebt und behandelt, und dankbar erinnere ich mich der drei Jahre, in denen ich deinen lehrreichen Unterricht genossen habe. Mit welcher Menschenkenntnis dieser Mann zu Werke ging, hiervon nur ein Zug. Als er einst das Logis veränderte, liess er uns den ersten Vormittag nach dem Beziehen der neuen Schulstube ganz müssig sitzen. Nachmittags redete er uns an und fragte, ob wir nun auch wüssten, wie das Zimmer aussähe. Sehet, Kinder, sagte er, hier ist ein gelber Fleck an der Wand, dort eine grüne Kachel in dem schwarzen Ofen, hier eine runde Scheibe zwischen den viereckigen u. s. w. Alles das hättet Ihr heute vormittag mit Mufie betrachten sollen, damit es euch in eurer Aufmerksamkeit nicht störe. Habt Ihr es 1 Osterode im4 Harz. Schwerlich ist der gleichnamige Ort in Ostprenssen gemeint. 2 Webestühle. 3 Zn ihnen gehörte ausser Bendavid der gleichfalls 1702 in Berlin geborene Joel b. Juda Löb, der spätere Direktor der jüdischen Wilhelmssehnle in Breslau (Prof. Joel Löwe).

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