Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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4ä sie mit der Stricknadel in der Hand führte mit derselben meine Aufmerksamkeit von einem Worte zum andern, das ich ihr nachsprechen musste« Das Buch, worin ich lesen lernte, hiess Joseph Moritz von Brachfeld und ist mir seitdem nicht wieder zu Gesichte gekommen... Ein Mensch, den meine Eltern angenommen hatten, mich in dem hebräischen Text der Bibel zu unterrichten, lehrte mich nach meiner Genesung von den Kinderblattern im Winter 1766 das gewöhnliche und zugleich das sogenannte Finger-Einmaleins, wodurch die Producte über fünf auf eine sehr sinnreiche und streng erweisbare Art an den Fingern anschaulich gemacht werden. In meinem sechsten Jahre wurde ich zu einem Polen in eine talmudische Schule gethan. Ich kann nicht ohne Abscheu an diesen Unmensehen denken, der mit einer Wonne der Hölle die 4 oder 5 unschuldigen Wesen, die bei ihm in die Schule gingen, zerfleischte. Seine meistens ganz unverdienten Züchtigungen waren künstlich ersonnene Marter, die wir erleiden und unter Androhung härterer Strafe unsem Eltern verschweigen mussten...* 1 Bis zu meinem achten Jahre blieb ich nun, weil meine Eltern sich mit der Wahl eines neuen Lehrers nicht übereilen wollten, im väterlichen oder vielmehr grossväterlichen Hause,2 wo ich von preussischen Staaten, Hirsch David in Berlin“. Bendavids Vater David Lazarus war aus Braunschweig. ״Meine Eltern hatten beide eine liberale Erziehung genossen. Sie schrieben beide sehr richtig jüdisch und deutsch, sprachen beide gut französisch, und besonders machte mein Vater sehr schöne kaufmännische Aufsätze und besass eine grosse Belesenheit in den französischen klassischen Schriftstellern“. Eva Hirschs Kenntnisse überraschen denjenigen nicht, der den Bildungsstand der vermögenden Berliner Juden kennt. Aber die Bildung des aus einfachen Verhältnissen stammenden Braunschweigers zeigt doch, wie not es tut, das herrschende Urteil über die profane Unbildung der damaligen Juden richtig zu stellen. Bendavid wurde 18. Okt. 1862 geboren. Die Hochzeit von ״David Braunschweig mit Chawwa, Tochter des Hirsch Präger“ fand nach der ״Namen־ Trau- und Sterbeliste‘• des Berliner Gemeindearchivs am 1. Elul 5521 (1761) statt. 1 Als Bendavids Mutter die Spuren der Prügel wahrnahm, wurde er von dem Lehrer fortgenommen, ״von diesem Wüterich befreit“. * Spandauerstr. 49, wo auch die Eltern Bendavids wohnten. Über den Grossvater Hirsch David (Hirsch Präger), Inhaber einer Samt- und Seidenfabrik, siehe Geiger H, 77 (wo er falsch David Hirsch Präger genannt wird) und Schmoller-Hintze, Die preussische Seidenindustrie im 18. Jahrhundert I, 27. Er war 1750—62,1765—71 Gemeindeältester und starb 21. Tischri 5534 (1773): Ältestes Gemeindebuch Hdschr. und Grabstein Nr. 755.