Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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4i Hausbedienter (Domestique) anzasehen. Domestiquen zu halten, war aber bereits nach den früheren Reglements1 gestattet. Neben dem Unterricht der Privatlehrer und Schulmeister gab es eine Talmudtoraschule, die aus Stiftungen und gelegentlichen Spenden reicher und wohltätiger Gemeindemitglieder erhalten wurde, und in der die Kinder der Armen durch die Schulmeister der Judenschaft Unterricht erhielten. Der Wohltätigkeit der reichen Esther Liebmann verdankte die Armen schule ein eigenes Heim, dessen im Jahre 1712 Erwähnung geschieht.2 Das Reglement von 1750 erwähnt im Art. 28 unter den ״publiquen44 Häusern ausser der Synagoge ausdrücklich ״die Schule“. Alle drei Jahre, wenn die Gemeindewahlen stattfanden, wurden die Vorsteher für die Talmudtoraschule gewählt.3 In der Synagoge stand die Spende für Talmud Tora an erster Stelle.4 Wer sich talmudisch weiter ausbilden wollte, besuchte die Jeschiwa des Rabbiners, insbesondere das von Jost Liebmann gestiftete Lehrhaus in der Spandauer־ Strasse und später das 1746 mit Hilfe allgemeiner Spenden und einer Stiftung errichtete Beth ha־Midrasch in der Heidereutergasse. Ins einzelne gehende Aufschlüsse über den damaligen Unterrieht liefert uns die Selbstbiographie des 1762 in Berlin geborenen philosophischen Schriftstellers und späteren Direktors der jüdischen Freischule Lazarus Bendavid. ״In meinem dritten Jahre44, erzählt er,5 ״konnte ich schon ziemlich geläufig hebräisch lesen und wusste eine Menge hebräischer und französischer Wörter ins Deutsche zu übersetzen ... Als ich mein drittes Jahr zurückgelegt hatte, lehrte mich meine Mutter6 deutsch lesen. Ich sass auf ihrem Schoss, und 1 Reglement von 1730 art. 26: bei Mylius 8p. 200. Jeder Jade, der Handlung treibt, durfte entweder einen Jungen und 2 Mägde oder eine Magd und 2 Jungen halten. 2 Im Protokoll 6. Sept. 1712 ״die Armenschule, so sie noch dran (an der Liebmannschen Synagoge) bauen lassen*: Geh. Staatsarchiv Dahlem R. 21 Nr. 205. 8 1723 Juda Lablin (Judas Simon) und Löh Haiberstadt (Levin Selig): Ältestes Gemeindebuch im Archiv der jäd. Gemeinde, Hdschr. Bl. 2. 4 Verzeichnis der שבע צדקות am Schlüsse der Namen- Tran״ and Sterbeliste 1751—1813, Hdschr. im Gemeindearchiv. 6 Lowe, Bildnisse jetztlebender Berliner Gelehrten mit ihren Selbstbiographien, Zweite Sammlung, Berlin 1806, S. 7 ff. 6 Eva Hirsch aus Berlin, ״Tochter des ersten Sametfabrikanten in den