Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486303--7314-3493691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ר '4 : Jugendunterricht in der Berliner jüdischen Gemeinde wahrend des 18. Jahrhunderts. Von Moritz Stern. I. Wie sab in Berlin um die Mitte des 18. Jahrhunderts der jüdische Jagendunterricht ans? ״Da sollst sie Deinen Kindern einschärfen44 galt seit alter Zeit den Eltern als Mahnung, ihre Kinder selber zu unterrichten. Wo letzteres nicht möglich war, wurden im Hause Privatlehrer gehalten. Gegenstände des Unterrichts waren Bibel und Talmud in der Ursprache, deutsches und jüdisch'deutsches Lesen und Schreiben, Rechnen, zuweilen Französisch und andere für das Leben notwendige Kenntnisse. Minderbemittelte, die keinen Hauslehrer beköstigen und hezahlen konnten, schickten ihre Kinder, nachdem diese vom dritten bis zum sechsten Lebensjahre von den Eltern selber Lese- und Bibeiunterricht erhalten hatten, zu privaten ״Schulmeistern4‘, die für Entgelt in kleinen Zirkeln mehrere Kinder gemeinsam unterwiesen. Hier wurde der Bibelunterricht vertieft und vorzüglich Mischna und Talmud gelehrt. Für deutsches Schreiben und Rechnen nahm man besondere Fachlehrer in Anspruch. Auf Gebetbuchunterricht wurde wenig Zeit verwandt. Zum Beten wurde das Kind zu Hause augehalten, die Gebettexte wurden ihm durch seine Bibelkenntnis und die sich daraus ergebende Sprachknnde verstündlich. Ebenso wenig kannte man besonderen Unterricht in ״Religionslehre44. Religion wurde von den Eltern vorgelebt und durch Übung und Erziehung in den Herzen der Kinder verankert.