Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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2? wir fast 100 Pergamentdrucke. im 17. Jahrhundert last gar keine, die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts, die Zeit, in der Oppenheim wirkte, bringen wieder zirka 40 hervor, ja Oppenheim ging in seiner Opferwilligkeit so weit, dass er die für damalige Zeit riesige Summe von tausend Dukaten opferte, um für sich von der Talmudausgabe Frankfurt-Berlin 1715 ein breitrandiges Exemplar auf Pergament drucken zu lassen. Wie Christian Wolf, der Vater der hebräischen Bibliographie im Anhang zum ersten Bande seiner Bibliotheca Hebraea mitteilt, hat Oppenheim im Jahre 1711 ein gedrucktes Desideraten Verzeichnis versendet und so seine Bibliothek systematisch ausgebaut. Von überallher wurden Oppenheim Bücher angeboten, in Italien kaufte er so gut wie in der Türkei, die Leipziger Messe, die er mehrmals besuchte, bot ihm Gelegenheit mit Buchhändlern und Buchdruckern in Berührung und Geschäftsverkehr zu kommen. Seine grosse Korrespondenz,1) seine vielen Reisen dienten oft dem Erwerbe seltener Bücher und Handschriften und es klingt ganz glaublich, dass der kaiserliche Oberhoffaktor Samuel Oppenheimer in Wien, sich vom Kaiser und vom Prinzen Eugen als Belohnung für seine Dienste die erbeuteten hebräischen Bücher und Haudschriften erbeten habe, um sie seinem verehrten Neffen David Oppenheim zu geben.2) Seine Schätze konnte er aus Zensurrücksichten3) nicht bei sich haben; gerade zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzte die Zensur in Prag besonders stark ein, fast alltäglich waren Bücherinventarisierungen, Bücherkonüskationen und vor allem galt das Hereinbringen von Büchern — ohne Vorlage bei der Zensur als ein sehr schweres Verbrechen. Das Vorlegen zur Zensur aber war auch gefährlich, es hatte oft die Konfiskation, stets aber die Verstümmelung des vorgelegten Buches zur Folge; Zensoren, die nichts verstanden, fürchteten irgend etwas ungeahndet durchgehen zu lassen, Zensoren wiederum, die über gewisse Kenntnisse verfügten, wie der um diese Zeit in Prag massgebende Jesuit Franciscus Haselbauer, wollten ihre Kenntnisse immer von neuem erweisen, indem sie in die einfachsten und unverfänglichsten Worte 1) Vgl. Duschinski a. a. 0. S. 78. 2) Duschinski a. a. 0. S. 78 will das, wie mir scheint, ans falscher Sentimentalität nicht gelten lassen; denn Samuel Oppenheimer hat nicht, Bücher für ihn zu erbeuten, sondern ihm erbeutete zu geben. s) ״und anderen Gründen“ bei Löwenatem S. 9 ist mir unverständlich.