Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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§6 IV. David Oppenheim als Mäcen und Bibliophile. Ausser Josef Salomo Kaudia Delniedigo gibt es wohl im letzten Jahrtausend bei den Juden keinen Bibliophilen von so grossem Formate wie David Oppenheim. Von Haus aus reich, wusste er ausser Wohltun für sein Geld keine bessere Verwendung als Förderung der Literatur und ihrer Bearbeiter. In frühester Jugend schon war er von Liebe, ja von Leidenschaft zu den Büchern beseelt, fast ein Knabe noch unternimmt er Entdeckungsreisen auf den Speicher der Synagoge seiner Vaterstadt1) Worms und findet dort wertvolle Bücher; frühzeitig schon bringt er seiner Liebhaberei grosse Opfer, und die Bücher, die ihm wohl anfänglich nur ihres Inhalts wegen lieb und teuer waren, sie erzogen ihn allmählich zu einem Bibliophilen, der systematisch und methodisch vorging, wie kaum ein Moderner. Sein Sammelgebiet waren alle hebräischen und jüdischen Bücher und er konnte wohl in diesem Belange von sich sagen: nihil Judaicum a me alienum puto, ob es nun kostbare Erstausgaben von Bibel und Talmud waren oder Gebetbücher zeitgenössischer Herausgeber und Drucker, scharfsinnige talmudische Werke oder rätselhaft dunkle mystische Bücher, sie alle waren ihm lieb, auch jüdische Gassenhauer und sogenannte Lieder verschmähte er nicht; Ein־ und Zweiblattdrucke aus patriotischen Anlässen oder, der Erinnerung irgend eines Unglückes geweiht, die sonst nur ein Eintagsleben führen, sie sind uns durch Oppenheims Sammeleifer, oft in Unikaten, erhalten. Bei der Beschäftigung mit den Büchern lernte er bald auch die äusseren Vorzüge, besonders der älteren Drucke, die noch Erzeugnisse wahren Kunstgewerbes sind, schätzen, und 80 sammelte er vor allem auch schöne Bücher, breitrandige, auf besonderem Papier oder gar auf Pergament gedruckte. Und die gewonnene Wertschätzung des schönen Buches setzte er auch in die Tat um, er bemüht sich den hebräischen Buchdruck, der im 17. Jahrhundert immer weiter herabgekommen war, wieder in die Höhe zu bringen. Bezeichnend für den Niedergang sind folgende Zahlen, die ich Freimanus Artikel über die hebräischen Pergamentdrucke (Hebr. Bibliographie XV) entnehme. Von den Anfängen des hebräischen Druckes bis zum Ende des 16. Jahrhunderts kennen *) Löwenstein a. a. 0. S. 8, Anm. 2.