Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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23 Grätz, der ihn sehr geringschätzig behandelt, nennt ihn, in der Absicht ihn herabzusetzen ״einen eingefleischten Kabbalisten“. Dass Oppenheim, ein Polyhistor, auch die Kabbala literarisch kannte, steht ausser Zweifel, dass er viele kabbalistische Bücherschätze gesammelt hat, dankt ihm noch heute die Nachwelt, dass er aber ein Kabbalist, noch dazu ein eingefleischter Kabbalist war, dafür ist Grätz den Beweis schuldig geblieben, es sei denn, dass ihm die bekannte Geisteraustreibung in Nikolsburg, die in seiner Gegenwart stattgefunden haben soll, beweiskräftig genug ist.1) Dass er auch Kabbalisten in seinem Hause bewirtet, die Drucklegung ihrer Werke gefördert hat, das geschah, wie er alles, was mit jüdischer Literatur zusammenhing, förderte. Der Grabstein weiss nichts vom ״Kabbalisten“ und in diesem Falle ist, wie Klein per er richtig bemerkt,2) das Schweigen sehr beredt, denn damals galt ״Kabbalist“ sein als Ehrentitel. Duschinski, der den literarischen Nachlass David Oppenheims als erster gründlich verwertet hat, zeigt uns auch, welch reichen Gewinn die Schriften und Responsen Oppenheims — ganz abgesehen von dem sachlichen Wert, den sie für alle darin behandelten Themen3) haben — für die zeitgenössische Literatur- und Gelehrtengeschichte bieten. Er zählt nicht weniger als 51 der bedeutendsten Rabbinen und Gelehrten auf, die mit ihm in Korrespondenz standen, deren Biographie durch diesen Nachlass manche bedeutende Bereicherung erhält;4) nicht weniger als neun Rabbinatskollegien wenden sich in schwierigen Fällen an ihn,5) eine Reihe seiner vorzüglichsten Schüler heischen nicht nur Belehrung von ihrem Meister,6) sie wenden sich an ihn, den väterliehen Freund mit allen möglichen Bitten, besonders auch um Hilfe bei Erlangung angestrebter Stellungen.7) Die Wirkungen der kriegerischen Zeiten auf die Juden und das jüdische Gemeindeleben werden mannigfach geschildert, wichtige historische Daten, wie l) Klemperer a. a. 0. 127. а) Daselbst. 3) Nur in Geldangelegenheiten wollte er nicht gerne entscheiden. Duschinski a. a. 0. 23. 4) a. a. 0. S. 53—70. 8) a. a. 0. S. 39-53• б) a. a. 0. S. 36-38. 7) Duschinski a. a. 0• S. 25 bringt gleich drei solcher Briefe.