Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIX. (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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15 heims Persönlichkeit zu gewinnen, sich seine Vielseitigkeit vor Augen zu halten, er war Rabbiner der damals grössten jüdischen Gemeinde, zugleich Leiter einer grossen Jeschiwa, Helfer and Berater der bedeutendsten jüdischen Institutionen (so finden wir seine Unterschrift wiederholt im Tekanotbuch der Prager Chewra Kadiscba),1) dazu kam noch seine grosse Korrespondenz, die hauptsächlich bei seiner internationalen Geltung als Gelehrter durch eine Anzahl von Anfragen in religiösen Dingen aus aller Herren Länder veranlasst wurde und so nebenbei betrieb er seine Bibliophilie mit einem Eifer und einer Tatkraft, die sonst einen ganzen Menschen in Ansprach nehmen. Doch es fehlte auch nicht an schweren Tagen. Von einem Prozesse, der von 1713 an ihn jahrelang bedrängte, wird weiter unten die Rede sein.2) Im Jahre 1712 starb bei einem Besuche in Hannover seine Gattin Genendel, der er zeitlebens in Liebe und Treue gedenkt. Ihrem Seelengedächtnisse ״dem Gedächtnisse der Rabbinerin, der Ahronidin, der frommen Frau Genendel“ widmet er 1713 einen kostbaren Vorhang für die Thoralade in der Altneuschul, der er auch schon früher einen solchen Vorhang, den er noch in Nikolsburg 1695 zur Verherrlichung des Gotteshauses gestiftet, wie ein Thoramäntelchen schenkt; die Altneuscbul scheint das von ihm besuchte Gotteshaus gewesen zu sein. Er heiratet dann Schifra, die Tochter R. Wolf Spiros, die Witwe I8ak Bondis. Wolf Spiro, der jedem persönlichen Ehrgeiz fern war und schon mehrfach seine Bescheidenheit bewiesen hatte — er hatte ja das Prager Rabbinat bereits zweimal interimistisch verwaltet, ohne trotz seiner ausgezeichneten Befähigung es dauernd zu beanspruchen — hatte 1712 das durch den Wegzug Abraham Brodas erledigte böhmische Landrabbinat übernommen3) und übertrug bald darauf, da er schon hochbetagt war, das Landesrabbinat über die Hälfte Böhmens an David Oppenheim, wohl noch bevor er in verwandtschaftliche Beziehungen zu ihm trat. Am 2. Feber 17154) bestätigte Carl VI. ihn in dieser Eigenschaft, weil die gesamten Landes- *) Auch die Tekanottafe! der Altneuscbul enthält eine Tekana bezüglich des Gottesdienstes am Tischabeab, der bis zum Mittag dauern soll. 2) Vgl. Anhang. 3) Archiv d. jüd. Gemeinde Prag, Repertorium ... Akten d. Lande* registratur Abt. II. 4) Archiv der Prager jüd. Gemeinde.