Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 409)
- Language
- German
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366 gekerkert und auch ihm wegen Teilnahme an der Ermordung des Knaben der Prozess gemacht. Dieser dauerte mit fortgesetzten Verhören und Folterungen bis in den Januar 1476. Am 19. Januar verurteilte ihn das Gericht zum Tode durch das Rad, welche Strafe am nächsten Tage ausgeführt wurde. Unter der Folter hatte der 23jährige Täufling gestanden, was man nur von ihm wünschte. Auch ihm wurde wie den anderen Juden die Frage vorgelegt, was er von sonstigen Kindermorden der Juden wisse, und er bezichtigte, um vor den Folterschergen Buhe zu haben, als Vielgereister an allen möglichen Orten.seine Glaubensgenossen des Mordes und Blutgebrauchs. Am ausführlichsten berichtete er über Kegensburg, wo er sich selber als Mitschuldigen bezeichnete. Wehe denen, deren Bekanntschaft er dort gemacht hatte! Alle, die er noch mit Namen kannte, mussten herbalten, damit er den Wissensdurst der geheimnislüsternen Trientiner Bichter befriedigte. An der Spitze des Bistums Begensburg stand seit 1465 Bischof Heinrich IV. von Absberg, der durch Anwendung des kanonischen Rechts die Handelstätigkeit der Regensburger Juden erschwerte und auf ihre Vertreibung hinarbeitete. Auf seiner Rückreise von Rom kam er im Februar oder März 1476 nach Trient und verschaffte sich von dem ihm gleichgesinnten Bischof Hinderr bach eine Abschrift des Verhörs Wolfgangs, da dieser die Regensburger Juden des Ritualmordes bezichtigt hatte. Sobald Bischof Heinrich wieder in Regensburg eingetroffen war1), forderte er den Bat der Stadt auf, den um 1468 von den Juden nach Wolfgangs Aussage begangenen Mord nicht ungestraft zu lassen, und versprach seinen Beistand, wenn der Stadt Unannehmlichkeiten entstehen sollten. Mit dem Vorgehen gegen die Juden war auch Herzog Ludwig von Bayern einverstanden, dem die Regensburger Judenschaft vom Kaiser verpfändet war. Von den durch Wolfgang genannten Juden mochten einige nicht mehr am Leben oder aus Regensburg weggezogen sein, ändere *) hi der zweiten Hälfte des März. Jänner, Gesch. der Bischöfe von Regensburg HI, 574 gibt den 24. Januar 1476 an. ״Um Pauls Bekehrung“ (25. Jan.) war der Begiun der Rückreise von Rom, nicht der Tag der Ankunft in Begensburg.