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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 265

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 265)
Language
German
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224 Am 12. Juni richtete Salomon Rothschild an Metternich ein ausführliches Schreiben, in dem er Metternich für seine Intervention bei der Pforte und dem Vizekönig von Ägypten, den Prozess vor einem unparteiischen Tribunal in Alexandrien zu führen dankte und ihn auf Grund eines ihm aus Konstantinopel zugekommenen Berichtes ersuchte, folgenden Umstand zu beachten: ״dass der Pater Thomas 3 Tage vor seiner Verschwindung auf einem öffent- Lichen Platze in Damaskus einen heftigen Streit mit mehreren Türken hatte*, von denen einer Rache zu nehmen geschworen haben soll, ferner haben türkische Einwohner von Damaskus öffentlieh erklärt, dass sie den Pater Thomas vor der angeblichen Mordtat in Begleitung seines Dieners beim Stadttor gegen Sonnenaufgang gesehen haben. Es sei daher möglich, dass der Kapuzinermönch aus Furcht vor der Rache der Türken die Flucht ergriffen habe. Es wäre daher ratsam, dass Metternich beim Vatikan intervenieren soll, bei alleq religiösen Oberhäuptern von Palästina und Libanon nachzuforschen, ob sich Pater Thomas nicht in irgend einem Kloster befinde. Ferner wäre Mehmed Ali zu ersuchen, die Einvernahme jener Türken, die beim Streit des Pater Thomas zugegen waren, anzuordnen. Metternich hatte auch sofort dem Ansuchen Rothschilds entsprachen und sowohl den österreichischen Botschafter in Rom, den Grafen d’Ohms, sowie Laurin beauftragt, in diesem Sinne zu intervenieren. Metternich tadelte jedoch Laurin, dass er eine direkte Korrespondenz mit dem Generalkonsul Rothschild in Paris führe, ״denn die zwischen dem österreichischen und französischen Konsul in Damaskus sich ergebenden Reibungen gehen nur da£ Kabinett, aber nicht den Generalkonsul in Paris an“. Auf diese Weise seien einzelne Berichte Merlattos in die Presse gelangt, die nach Ansicht Metternichs keineswegs die Behörde für die Führung des Prozesses sei. Metternich forderte auch den österreichischen Internuntius von Konstantinopel, Freiherr von Stürmer, auf, den tatsächlichen Tatbestand in der Angelegenheit des Verschwindens des Pater Thomas aus Damaskus zu ermitteln, da es ״doppelt wichtig~sei, auf das einzig wahre Ziel hinzuwirken; liegt einmal der eigentliche Tatbestand offen zu Tage, dann wird das übrige eine leichte Aufgabe seyn“.

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