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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 261

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 261)
Language
German
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m Wird, eiüea österreichischen Untertan den Lokalbehorden ausztiliefern, würde Picciotto trotzdem den Bestimmungen dieser Verträge entgegen, als Raja behandelt. Diesen Bericht übermittelte Laurin seinem unmittelbaren Vorgesetzten, dem Internuntiu3 in Konstantinopel, Freiherrn von Stürmer. Lanrin, ein äasserst• feinsinniger, aufgeklärter Mensch, bemerkte in seinem Berichte1) an Stürmer2), er könne keineswegs zugeben, dass der Mord an Thomäs zu rituellen Zwecken verübt worden wäre, obgleich ihn von neun Angeklagten sieben eingestanden hätten. Dass sie den Ritualzweck des Mordes zugaben, sei nicht Wunder zu nehmen, wenn man bedenkt, dass sie durch die Summe von 5000 Stockprügeln zu diesen Geständnissen gezwungen wurden. Laarin übermittelte fast sämtliche Berichte, die ihm Merlatto über die Damaskasaffaire erstattete, dem damaligen österreichischen Generalkonsul in Paris, Freiherrn James von Rothschild3), einem Bruder des Chefs des Wiener Hauses, Salomon Rothschild4) zur Kenntnisnahme. Auf diese Weise gelangte auch der früher erwähnte Bericht Merlattos vom 23. März in die französische Presse, um im l) Laurins Bericht vom 27. März 1840 an Stürmer. Wiener Staatsarchiv, Bericht aus Konstantinopel Türkei Fasz. VI. 56 s. No. I. י) Bantolomäus Freiherr von Stürmer (1787—1863) war in den Jahren 1832—1850 Österreichischer Intemuntius in Konstantinopel. (Wurzbach Biographisches Lexikon Bd. 46, S. 175—177. Schematismus I. S. 225.) *) James (Jakob) Rothschild, geb. 15. Mai 1792 in Frankfurt am Main, begründete im Jahre 1812 das Pariser Bankhaus der Rothschilds, 1822 wurde er zum österreichischen Generalkonsul ernannt. Er besorgte auch die Finanzgeschälte Louis Philipps. Er starb am 15. November 1868 in Paris und hinterliess fünf Kinder, zwei Töchter und drei Söhne, Alphons, Edmond und Gustav. (La grande Encyclopedie Paris Bd. 28 S. 978, Jewish Encyclop. S. 495—497.) 4) Salomon Rothschüd, geb. 9. Januar 1774 in Frankfurt a. M., gestorben 28. Juli 1855 in Paris, kam 1810 nach Wien und begründete das Wiener Bank־ haus der Rothschilds. Er beteiligte sich an allen Finanzoperationen Österreichs. 1815 wurde er mit seinen Brüdern Anselm, Karl und Jakob (James, s. Anm. 1) in den österreichischen Adelsstand erhoben. In den Jahren 1839—1840 verhandelte er mit der Türkei wegen einer Anleihe. In Österreich selbst finanzierte er das Projekt des Prof. Franz Xaver Riepl, des Erbauers der Nordbahn. Er beteiligte sich an grossen Industrien, so dem Witkowitzer Werk, Kohlen- und Asphaltgruben usw. Er wurde auch zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt. Beine Tochter Betti, aus der Ehe mit Karoline Stern, heiratete seinen jüngsten Bruder James in Paris. (Wnrzbach 1. c. Bd. 27 S. 116). j;

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