Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 259)
- Language
- German
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stimmten ihm eifrig zu, damit nicht die Ermordung des Kapuziners als die natürliche Bestrafung seiner Beschimpfung der herrschenden Religion erschien. Der ägyptische Gouverneur, Scherif Pascha, stellte sich sofort dem Vertreter einer Macht zur Verfügung, die die einzige Verbündete und Beschützerin seines Herrschers Mehmed Ali war, und der man deshalb jeden Dienst auf Kosten einiger elender Jaden leisten konnte. Natürlich liess er gerade die reichsten unter ihnen als des Mordes verdächtig verhaften, da er und seine Beamten bei dieser Gelegenheit beträchtliche Beate zu machen hofften. Die Unglücklichen, darunter betagte Männer, ja ein achtzigjähriger Greis, wurden grausam gefoltert, um von ihnen das Geständnis ihres angeblichen Verbrechens zu erpressen. Da sie dennoch ihre Unschuld beteuerten, liess man einen verkommenen, wegen Schulden gefangenen Muselmann, Mohammed El-Telli, auftreten, der früher einem der beschuldigten Juden durch Drohungen hatte Geld abnehmen wollen; er bezichtete sich nun selber, auf Anlass mehrerer Juden den Pater Thomas getötet zu haben, dessen Blut sie für die Pessachbrote hätten gebrauchen wollen. Zwei Mohammedaner dagegen, die bezeugten, den Pater nach seiner angeblichen Ermordung durch die Juden gesehen zu haben, wurden von den Gerichten zu Tode geprügelt. Nach der Aussage El-Tellis wurden nicht allein die Häuser der bisherigen Angeklagten von Scherif Pascha geplündert und zerstört, diese selber neuen Martern unterworfen, sondern auch weitere Verhaftungen von Juden vorgenommen, darunter die eines österreichischen Untertanes Piciotto. Das war ein arger Missgriff der Verfolger, der das Scheitern ihres ganzen Planes zur Folge gehabt hat. Denn nunmehr trat der österreichische Konsul in Damaskus, Merlato in die Schranken und zwar nicht nur für seinen Schutzbefohlenen, sondern indem er laut und öffentlich das ganze schändliehe Verfahren angriff. Waren doch vier der unglücklichen Juden bereits den Qualen der Folter erlegen. Und jetzt schritt neben der von ihrem Konsul angerufenen österreichischen Regierung auch die verbündete englische gegen die französischen Machenschäften ein.“ II. Im vorangegangenen Kapitel wurde bereits gesagt, dass der