Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 208)
- Language
- German
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Im Abschnitt ״Massecheth Sehebuoth“ (aber das Wocbenfest) verbreitet sich der Verfasser über die Lehrmethode, die man befolgen soll, und polemisiert dabei häufig gegen die hergebraebte seiner Zeit. Aus dieser Abhandlung, die auch in deutscher Über- Setzung vorliegt,1) lassen sich folgende Grundgedanken herausarbeiten: Der Unterricht muss von frühester Kindheit an einen systematischen Aufbau zeigen. Man beginne nie ein neues Pensum, bevor das alte vollkommen erfasst und verarbeitet ist. Man lasse das Kind zuerst die ganze Bibel, dann die ganze Misebna lernen, dann erst gehe man zum Talmud-Studium über. Auch der Sohn des Verfassers vertritt in seinem ״Wawe Ha־amudim“ denselben Lehrplan.2) Wenn der Verfasser auch richtig den Fehler seiner Zeit in der Systemlosigkeit des Unterrichts erkennt, 80 scheint er unserem heutigen Empfinden nach mit seinen Forderungen ins entgegengesetzte Extrem zu verfallen und in der Systematisierung zu weit zu gehen. Der Grundgedanke seiner Methode ist: Durchnähme der Gegenstände in der Reihenfolge ihrer historischen Ent- Wicklung. Doch haftet ihm offenbar folgender Mangel an: Die Pensen müssen der Auffassungsgabe des Kindes angepasst sein, sie müssen also vom Leichten zum Schweren fortschreiten; dies ist aber absolut nicht gleichbedeutend mit Fortschritt vom historisch Früheren zum historisch Späteren. Es gibt Partien in Misehna und Talmud, die ein lOjähriger Junge leichter begreifen wird als manches Kapitel der Bibel. Trotz dieser einen Schwäche stellt dieses System gegenüber der Systemlosigkeit früherer Zeiten einen Fortschritt dar. Den ganzen Anschauungen des Autors entsprechend wird das Studium der Kabbala empfohlen, sofern sich der Lernende ihm in Reinheit widmet, während Philosophie und jedwede Profan- Wissenschaften verpönt werden. Zum Schluss sind aus älteren Werken noch eine Anzahl didaktischer Winke zusammengestellt, die sich alle in den einen Grundgedanken zusammenfassen lassen: Beseitige alle äussere Hemmungen, damit der Schüler durch nichts gestört und abgelenkt werde. Unter anderem wird geraten, ־stets dieselben Bücher zu benützen, die gut gedruckt und gut gebunden sein sollen. Die Schulstube sei geräumig, der Unterricht stets zur *) Güdemann, Quellenschriften S. 106.־ 2) Horovitz, Wawe Ha-amudim, Kap. 5; Güdemann, QueHenschr. 8.112.