Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XVIII. (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 206)
- Language
- German
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167 Sich häufig von den Stammgebeten durch eine schwerverständliche Sprache, auch erforderten sie zum Verständnis ausgedehnte Kenntni88e des jüdischen Schrifttums. Da diese nicht überall vorausgesetzt werden konnten, so veranlasste der 1632 bis 1643 in Frankfurt wirkende Rabbiner Sabbatbai Horovitz, dass in sämtlichen Vereinen Vorträge gehalten wurden, die das Verständnis, zum mindesten den einfachen Wort sinn, dieser Festgebete übermitteln sollten.1) Daneben hören wir auch noch von erbaulichen Vorträgen, die an den Feiertagen kurz vor dem Abendgottesdienst stattfanden und die selbst für den Nichtgelehrten verständlich waren. Besonders zu nennen sind dabei auch die Predigten der Rabbiner, die früher häufiger, später nur an bestimmten Tagen gehalten wurden. Auch auswärtige Rabbiner und Gelehrte ehrte man häufig dadurch, dass mau ihnen das Recht einräumte, in der Synagoge zu predigen. VI. Mädchenerziehung. Über die Mädchenerziehung hören wir aus dieser Zeit fast gar nichts. Einem talmudischen Ausspruche gemäss hielt man sie vom Talmudstudium fern, es gehörte sogar zu den Seltenheiten, dass eine Frau eingehende Kenntnisse der Bibel hatte. Man begnügte sich meistens damit, dass sie das Lesen und Schreiben erlernten. Die in dem ״Generalreglement der Judenschaft in Preussen vom 17. 4. 1750“ erwähnten Mädchenschulmeister für Berlin und einige andere Städte2) hatten wohl auch nur einen ganz elementaren Unterricht zu erteilen. Nach dem Reglement mussten diese Mädchenschulmeister im Gegensatz zu den übrigen Lehrern verheiratet sein. Die religiöse Bildung und Erbauung des weiblichen Geschlechts vermittelte die sehr inhaltreiche jüdisch-deutsche Literatur. Dass die Religiosität der Frauen nicht hinter der der Männer zurückstand, rühmen dauernd die Grabinschriften, die sehr oft berichten, dass die Verstorbene keinen Gemeinde-Gottesdienst versäumt und dass sie ״ihr Gebet mit grosser Andacht zu ihrem Schöpfer emporgesandt habe.“ Von manchen wird auch hervorgehoben, dass ihr jüdisches oder profanes Wissen das ihrer Zeitgenossinnen weit ף Horovitz, Wawe Ha’anmdim Kap. 10; Giidemann, Quellenschriften S. 116. Josif Omitz § 738. 2) Freund, Die Emanzipation der Juden in Preussen, 11, 25.