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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1927-01-01 · XVIII. (1927) · page 194

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XVIII. (1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 194)
Language
German
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158 wachsenden Jünglings? Da der Knabe mit dem 13. Jahre religionsmündig1) wurde, so bildete dieser Zeitpunkt auch in der Erziehung einen Abschnitt. Bei dem bei dieser Gelegenheit üblichen Festmahl hielt der Junge meistens einen talmndischen Vortrag (Deraschah), durch den er öffentlich sein Wissen zeigen sollte. Das war ein gutes Mittel, den Ehrgeiz anzastacheln. Kurze Zeit darauf pflegte er dann nach einer Talmud-Hochschule — Jeschihah — zu ziehen um sich hier mehrere Jahre, häufig bis zn seiner Verheiratung, die der damaligen jüdischen Sitte entsprechend in sehr jugendlichem Alter erfolgte, ausschliesslich dem tieferen Talmud- Studium zu widmen. Nach der Verheiratung lebte das junge Paar noch kostenlos einige Jahre bei den beiderseitigen Eltern; während dieser Zeit arbeitete sich der junge Ehemann in das Geschäft ein. Es kam wohl auch vor, dass der Bachur2) selbst nach seiner Verheiratung noch weiter auf der Jeschibah verblieb, sodass wir manchmal von verheirateten Bachurim hören. Ja, es scheint sogar vorgekommen zu sein, dass einzelne zeitlebens dort blieben, sodass sich manchmal der etwas paradox klingende Ausdruck findet: (הבחור הזקן), der alte Bachur, — an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Bachur (Jüngling) dächte man gar nicht mehr, es war ein stehender Ausdruck für den Jeschibab-Besucher geworden. Aus diesen ״alten Bachurim“ werden sich wohl die Berufslehrer rekrutiert haben3). Jede grössere Gemeinde setzte ihren Stolz darein, eine mögliehst grosse Jeschibah zu besitzen, die vom Babbiner geleitet wurde. Man suchte daher, diesen Posten mit bedeutenden Talmudisten zu besetzen. War durch Wegzug oder Tod die Stelle längere Zeit vakant, so versah sie inzwischen meist einer der fiabbinats-Assessoren, deren es in Frankfurt ursprünglich drei, später sechs gab. Ausser in diesen ständigen Jeschiboth sammelte sich auch an anderen Plätzen, an denen gerade ein berühmter Rabbiner wirkte, ein Schülerkreis, der bei Wegzug seines Meisters diesem häufig nach seinem neuen Wirkungs* * kreis folgte. Als z. B. 1782 R. Nathan Adler seine Heimatstadt Frankfurt verliess, um in Boskowitz in Mähren das Rabbinat za übernehmen, ג) ßar Mizwa. *) Bachur (Jüngling); allgemeine Bezeichnung des Hochschnlers. 8} Horovitz, Inschriften, Nr. 3755.

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